Der Tagesspiegel : Staatsanwalt fordert lebenslang für Schmökel

Nach der Haftzeit soll der Gewalttäter in Sicherungsverwahrung genommen werden / Urteil fällt voraussichtlich am 11. Dezember

Claus-Dieter Steyer

Neuruppin. Der Gewaltverbrecher Frank Schmökel soll wegen Raubmordes, versuchten Mordes und zweifachen versuchten Totschlages zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt werden. Das beantragte Oberstaatsanwalt Hartmut Oeser gestern im Landgericht Neuruppin. „Er ist für seine Taten voll schuldfähig, weshalb die Strafen in einer gewöhnlichen Strafvollzugsanstalt abzusitzen sind“, sagte Oeser. „Damit kommt für mich eine psychiatrische Klinik im Maßregelvollzug nicht in Frage.“

Da bei lebenslang gewöhnlich nach 10 bis 15 Jahren geprüft werde, ob die Reststrafe erlassen werden könne, habe für die Sicherheitsverwahrung plädiert. „Herr Schmökel bedeutet eine Gefahr für die Öffentlichkeit, weshalb eine Freilassung ganz genau geprüft werden muss.“

Zuvor hatte der vom Gericht bestellte Gutachter Professor Norbert Konrad empfohlen, den Gewaltverbrecher weiter im Maßregelvollzug unterzubringen, da er dort behandelt werden könne. Konrad hatte Schmökel eine dauerhafte dissoziale Persönlichkeitsstörung attestiert, zu der eine multiple Störung der Sexualpräferenz mit pädophilen und sadistischen Anteilen komme. Trotzdem sei der Angeklagte bei seinen Verbrechen schuldfähig gewesen.

Bei Schmökels letzter Verurteilung 1995 war das anders. Nach dem Missbrauch eines elfjährigen Mädchens wurde ihm eingeschränkte Schuldfähigkeit attestiert. Schmökel befindet sich seit 1992 wegen mehrfacher Vergewaltigung von Kindern und anderer Delikte im Maßregelvollzug.

Nach Ansicht von Staatsanwalt Oeser plante der Angeklagte die Taten im Herbst 2000 heimtückisch. Aus Hass auf den Massregelvollzug habe er beim Hausbesuch bei seiner Mutter in Strausberg sechsmal brutal mit einem Messer auf seine Begleitperson eingestochen. „Nur durch ein Wunder und die schnelle medizinische Versorgung überlebte er die Attacke“, sagte Oeser. In Briefen und Tagebüchern hatte Schmökel „von innigstem Hass“ gesprochen, weil sie ihn als Kind mehrfach zu sexuellen Handlungen gezwungen haben soll. Sie verdankt es nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft einzig dem beherzten Widerstand des Pflegers Schäfer, dass die Attacke ihres Sohnes nicht tödlich endete.

Schmökel wurde danach zum meist gesuchten Verbrecher Deutschlands. Er versteckte sich tagelang in einer Strausberger Bungalowsiedlung, wo er schließlich auf einem Grundstück ein Rentnerehepaar beobachtete. „Die Frau verwechselte ich mit einem jungen Mädchen, dass ich schlagen und anschließend missbrauchen wollte“, sagte Schmökel während der Verhandlung. Als er aber auf der Gartenliege statt des erhofften Mädchens einen alten Mann vorfand, habe er aus Panik zugeschlagen. Zum Beweis dafür führte er ein Augenleiden an. Augenärztin Gisela Hohlfeld bescheinigte ihm gestern vor Gericht zwar eine gewisse Sehschwäche, aber „aus 20 Metern Entfernung konnte er zwischen einer Frau und einem Mädchen durchaus unterscheiden“.

Staatsanwalt Oeser wertete den Angriff als Raubmord. „Er schlug so lange mit dem Spaten auf den Kopf des Mannes, bis das Werkzeug zerbrach. Er wollte das Auto des Mannes stehlen, um seine Flucht fortzusetzen.“ Der Rentner, dessen Witwe im Prozess als Nebenklägerin auftritt, verblutete.

Das Urteil soll am 11. Dezember fallen.

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