Der Tagesspiegel : Stadt versteigerte Privatauto

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Frankfurt (Oder) - Die Frankfurter Stadtverwaltung erstmals den gepfändeten Pkw eines notorischen Schuldners zwangsversteigert. Die Auktion über die Internetplattform www.zoll-auktion.de ging am Montagnachmittag zu Ende. Eine Frankfurter Firma erhielt den Zuschlag für 800 Euro. Das ist viel mehr, als man im Rathaus für den roten Opel des Baujahrs 1994 erhofft hatte. Das Anfangsgebot hatte bei 300 Euro gelegen.

„Wir sind angesichts des Zustands des Fahrzeugs sehr angenehm überrascht“, sagt der Leiter der städtischen Vollstreckungsbehörde, Steffen Wenzek. Damit habe die Stadtverwaltung fast die Hälfte der Außenstände des Opel-Besitzers wieder hereinbekommen. Dessen Schulden hatten sich im Laufe der Jahre auf fast 2000 Euro summiert, wie Wenzek sagt. Rund 30 Forderungen stehen zu Buche – nicht bezahlte Knöllchen, Bußgelder wegen Raserei und Steuern. Auch die Mahnungen habe der Mann ignoriert. Es habe sich fast ausschließlich um Forderungen gehandelt, die mit dem Auto zusammenhingen.

Insgesamt 20 Bieter gaben Gebote ab. „Das ist eine Bandbreite an Interessenten, die sich bei einer Versteigerung hier am Ort nie ergeben hätte“, sagt Wenzek. Gegenwärtig hat die Stadtverwaltung insgesamt 11 000 Einzelforderungen in einer Höhe von vier Millionen Euro, wie Rathaussprecher Heinz-Dieter Walter sagt. Wegen der steigenden Zahl säumiger Zahler von Buß- und Verwarngeldern hatte Frankfurt vor genau einem Jahr bereits den „Ventilwächter“ eingeführt. Die Sperre wird am Reifen des Schuldners angebracht und blockiert jeden Fahrversuch. Wenn das Fahrzeug losrollt, entweicht die Luft aus den Reifen.

Erst wenn die Besitzer zahlen oder wenigstens eine Zahlungsvereinbarung abschließen, demontiert das Amt die Sperren wieder. In den meisten Fällen helfe der „Ventilwächter“ den Schuldnern auf die Sprünge, sagt Walter. Die jetzt erstmals durchgezogene Zwangsversteigerung sei nur das allerletzte Mittel, wenn sich jemand überhaupt nicht rührt. ddp

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