Stadtentwicklung : Potsdams Speicherstadt wird zum Wohnviertel

Ein weiteres Stück der Potsdamer Speicherstadt steht vor der Entwicklung: Teile des historischen Areals nahe dem Zentrum und dem Hauptbahnhof wurden verkauft. Dort sollen exklusive Wohnungen am Wasser entstehen.

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Filetstück an der Havel. Die Potsdamer Speicherstadt gehört zu den begehrtesten künftigen Wohnlagen der Landeshauptstadt. Das schon im 17. Jahrhundert genutzte Gelände hatte seit 1989 brachgelegen. Nun sollen dort nach den Plänen des neuen Investors hochwertige Wohnungen zu Höchstpreisen entstehen. Foto Lutz Hannemann
Filetstück an der Havel. Die Potsdamer Speicherstadt gehört zu den begehrtesten künftigen Wohnlagen der Landeshauptstadt. Das...

Die Firmengruppe Groth wird das Areal zwischen Persiusspeicher und Alter Mühle entwickeln. Es ist das zweite Sanierungs- und Neubauprojekt an dem Havelstandort, nachdem bereits die Prinz von Preußen Grundbesitz AG die historischen Speicher saniert hat. Die Groth-Gruppe, die Anfang der 1990er-Jahre das Kirchsteigfeld gebaut hat, kann nun entsprechend dem geltenden Bebauungsplan Neubauten auf dem Areal errichten. Investor für das Vorhaben ist die Eigentümergesellschaft der Firma ATU – Autoteile Unger. Dahinter verbirgt sich die US-Risikokapitalgesellschaft KKR „Kohlberg, Kravis, Roberts & Co“. Seitens der Stadtverwaltung ist der Verkauf des Areals gegenüber dem Tagesspiegel bestätigt worden. „Die Tinte ist trocken“, hieß es.

Die Speicherstadt gilt als eine der besten noch zu entwickelnden Wohnlagen der Landeshauptstadt. Wohnungspreise von 3600 Euro pro Quadratmeter und mehr sind in den historischen Speichern gezahlt worden. Zahlreiche Prominente sollen dem Vernehmen nach ihr Geld in den Wohnungen mit Wasserlage angelegt haben.

Jahrelang hatte das Gelände, das seit dem 17. Jahrhundert als Speicherstadt genutzt wurde, nach 1989 brachgelegen. Um die die Entwicklung blockierende Eigentümervielfalt aufzuheben, hatte die städtische Pro Potsdam Ende 2007 bis Anfang 2008 die Grundstücke in der Speicherstadt im politischen Auftrag aufgekauft. Den mittleren, jetzt verkauften Teil versuchte sie selbst zur Planungsreife zu bringen, erlitt aber mit ihren Vorschlägen für Baumassen und Bauhöhen herbe Nackenschläge sowohl vom Denkmalschutz als auch im Bauausschuss. Stein des Anstoßes war insbesondere ein zunächst vorgesehener neungeschossiger Bau mit einer Höhe von 32 Metern. Stadtverordnete monierten gestörte Blickbeziehungen zwischen Brauhausberg und künftiger Garnisonkirche. Denkmalschützer forderten eine deutliche Unterordnung der Neubebauung unter den Persiusspeicher, der 16,43 Meter hoch ist.

„Klasse statt Masse“ waren die Schlagzeilen jener Tage; allerdings wurde vonseiten der Pro Potsdam der „Preis der Flachheit“ ins Spiel gebracht. Da Pro Potsdam Millionen für den Ankauf der Speicherstadt von verschiedenen Eigentümern aufbrachte, drohten ihr nach eigenen Angaben Verluste von bis zu 13 Millionen Euro, sollte sie lediglich die den Denkmalschützern genehmen Bruttogeschossflächen auf dem Markt anbieten können. Ein Abspecken des Neungeschossers um drei Geschosse brachte immerhin im Bauausschuss eine Mehrheit. Den eigentlichen planerischen Durchbruch brachte jedoch ein völlig neuer Ansatz, den das Architekturbüro von Rob Krier und Christoph Kohl vorlegte.

Krier und Kohl schufen im Auftrag der Stadt Mitte 2009 einen gemeinsamen Masterplan für die Speicherstadt und den Brauhausberg, der gleichsam bei Denkmalschutz, Verwaltung, Grundstückseigentümer und Bauausschuss Gefallen fand. Selbst vor der kritischen Bürgerschaft der Veranstaltung „Potsdamer Mitte im Dialog“ bestand der Masterplan im Dezember 2009. Das Büro Krier und Kohl – bereits an der Entwicklung des Kirchsteigfeldes für das Unternehmen Groth & Graalfs beteiligt – sieht für die Speicherstadt Viergeschosser plus Dachgeschoss und für den Brauhausberg Dreigeschosser plus Dachgeschoss vor. Zwei turmartige kreisrunde Gebäude sollen ein vom Hauptbahnhof deutlich erkennbares Eingangstor zur Leipziger Straße bilden. Der von der Groth-Gruppe gekaufte Mittelteil der Speicherstadt umfasst neben der Sanierung eines historischen Mühlengebäudes den Neubau mehrerer Wohn- und Bürogebäude. Der Entwurf von Krier und Kohl soll dabei konkrete Grundlage sein, hieß es damals.

Die Entwicklung des letzten und größten Teils der Speicherstadt von der historischen Mühle bis hin zum Leipziger Dreieck könnte hingegen weitere Jahre dauern. Weiterhin fehlt der notwendige Bebauungsplan.

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