Der Tagesspiegel : Stadtschloss Potsdam: Oberbürgermeister für Aufbau in Etappen

Helmut Caspar

Vor 300 Jahren erlebte das Potsdamer Stadtschloss Glanz und Gloria. Als sich der brandenburgische Kurfürst Friedrich III. in Königsberg zum König "in" Preußen krönte und als Friedrich I. nach Brandenburg zurückkehrte, errichtete man ihm zu Ehren an dem barocken Palast nach Plänen des Holländers Jean de Bodt ein prächtiges Triumphtor. Während die aus Gips, Holz und Pappe gefügten Triumphtore in Berlin nicht erhalten sind, überdauerte das steinerne Fortunaportal die Zeiten. Friedrich der Große schätzte den Säulenbau so sehr, dass er seinem Architekten Knobelsdorff befahl, es beim Umbau des alten Stadtschlosses stehen zu lassen.

Potsdams Oberbürgermeister Matthias Platzeck sagte gestern bei der Eröffnung der Ausstellung "Minervas Mythos - Fragmente und Dokumente des Potsdamer Stadtschlosses" im Rathaus am Alten Markt in Potsdam, jetzt müssten potente Investoren für den geplanten Wiederaufbau gefunden werden, denn die Stadt brauche das Schloss "wie ein Mensch das Herz". Platzeck sagte, er könne sich vorstellen, dass das Schloss "etappenweise aufgebaut" wird und für eine Übergangszeit als Torso im Stadtbild präsent sei. Man könnte erst "unfertige Dinge" hinstellen, die Stück für Stück nachgerüstet werden könnten. Wünschenswert sei, das Schloss als Kongresszentrum zu nutzen. Einen Hotelbetrieb sollte man hinter historischen Fassaden - zum Beispiel vom Palast Barberini - am Alten Markt einrichten.

Die neue Ausstellung zeigt gleich am Stadtschloss-Areal Figuren- und Architekturreste aus dem Depot der Preußischen Schlösserstiftung, dem Potsdam Museum und dem städtischen Denkmalamt. Zahlreiche Stücke wurden erst kürzlich bei Ausgrabungen gefunden. Der Ausstellungstitel bezieht sich auf die antike Göttin Minerva, deren überlebensgroße Figur aus Sandstein beschädigt, aber rekonstruierbar ist.

In Regalen und Vitrinen liegen neben prächtigen Säulen und Skulpturenfragmenten auch Stücke vom Fortunaportal, das im kommenden Jahr mit seinem reichen Adlerschmuck aufgebaut sein soll. Jedes Bruchstück ist bedeutendes historisches Dokument - Köpfe mythologischer Gestalten, Fragmente marmorner Fußböden und Wandverkleidungen, Treppengeländer und Balkongitter, Kaminumrahmungen, sogar zwei vergoldete Putten von der berühmten Fahnentreppe. Gezeigt werden auch Scherben und Steine, die vor 300 Jahren als Füllmaterial in die Grube geworfen wurden, sowie bunt bemalte Fußbodenfliesen.

Der Potsdamer Stadtkonservator Andreas Kalesse und die Archäologin Gundula Christl sind vom Reichtum der Überreste beeindruckt. Beide hoffen, dass die Einwohner der Landeshauptstadt die Ausstellung zum Anlass nehmen, bei sich nach weiteren Relikten zu sehen. Denn als das Schloss im April 1945 erst von Bomben getroffen und 15 Jahre später trotz Bedenken sowjetischer Kunstexperten auf Befehl des SED-Chefs Walter Ulbricht dem Erdboden gleich gemacht wurde, hat man nicht alles zermahlen, sondern vieles zum Aufschütten von Wällen und im Straßenbau verwendet.

Mit den Entwurfsplänen aus der Zeit Friedrichs des Großen, der 1744/45 Knobelsdorff mit dem repräsentativen Umbau des Stadtschlosses beauftragt hatte, sowie Messbildaufnahmen von 1910 und anderen Unterlagen ist die Baugeschichte des Residenzschlosses gut dokumentiert. Aufgrund der Quellen wäre eine originalgetreue Rekonstruktion möglich, sagt Saskia Hüneke, die in der Schlösserstiftung für den Skulpturenbestand verantwortlich ist.

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