Städtebau : Neuer Bauplan für Köln

Der Architekt Albert Speer hat einen "Masterplan" für die Stadt Köln vorgelegt. Für die Umsetzung kann sich die Stadt mehrere Jahre Zeit lassen. Ungewöhnlich: Nur ein Haus müsste abgerissen werden.

KölnDer Architekt Albert Speer hat am Donnerstag einen "Masterplan" für die Kölner Innenstadt vorgelegt, an dem sich die Stadtplanung in den kommenden Jahrzehnten orientieren soll. "Ich glaube, es ist etwas gelungen, das es bisher in Deutschland für die Zukunft einer Millionenstadt so noch nicht gegeben hat" , sagte Speer, der international große städtebauliche Projekte verwirklicht hat. Was Köln bisher gefehlt habe, sei die große Linie. "Überall ist etwas geschehen, was aber nicht in einem Gesamtrahmen gesehen worden ist", sagte er. Das neue Konzept werde hoffentlich "der Anfang einer anderen Planungskultur in Köln" sein.

Die Kölner Innenstadt ist zwar 2000 Jahre alt und in ihrer Straßenführung mittelalterlich geprägt, wurde im Krieg aber zerstört und danach schnell und ohne erkennbares Konzept wieder aufgebaut. Es dominieren Schnellstraßen, Parkhäuser und Mietblocks. Der Plan von Speer sieht keine grundlegende Neuordnung vor und empfiehlt auch nur den Abriss eines einzigen Gebäudes. Stattdessen soll das bestehende Potenzial besser genutzt werden.

Der Rhein soll ins Zentrum rücken

So soll sich die Stadt wieder stärker dem Rhein zuwenden: "Wir sind der Meinung, dass Köln mit diesem Riesenstrom noch bei weitem nicht genug anfängt." So regt Speer den Bau zweier Fußgängerbrücken über den Fluss an. Die Stadtringe sollen wieder als Boulevard erkennbar werden. Der in den 1920er Jahren unter dem damaligen Oberbürgermeister Konrad Adenauer entstandene Grüngürtel rund um das Stadtzentrum, der heute von vielen Straßen durchschnitten wird, könne der "Central Park für die Kölner Bürger  werden, meinte Speer. Außerdem sieht sein Plan die Revitalisierung vieler Plätze vor, die heute noch überwiegend als Parkraum genutzt werden, obwohl die Stadt nach Beobachtung Speers mehr Parkhäuser hat als jede vergleichbare deutsche Stadt.

In der Frage der Nord-Süd-Fahrt, einer Schnellstraße, die allgemein als größte Bausünde gilt, rät Speer nicht zu einer Tunnellösung, weil eine solche Großbaustelle den innerstädtischen Verkehr auf Jahre hinaus zu stark belasten würde. Stattdessen empfiehlt er, die mehrspurige Schnellstraße mitten durch das Zentrum in einer "Strategie der kleinen Schritte" zurückzubauen.

Der Plan macht kurz-, mittel- und langfristige Vorschläge. Es sei weder denkbar noch wünschenswert, alles auf einmal umzusetzen, sagte Speer. Vieles werde man letztlich auch anders machen. Entscheidend sei aber, sich künftig nicht mehr von Projekt zu Projekt zu hangeln, sondern die Gesamtidee vor Augen zu haben. Speers Plan wurde von Kölner Unternehmern bezahlt. Inwieweit er tatsächlich umgesetzt wird, muss der Stadtrat entscheiden. Die Finanzlage der Stadt ist angespannt. (bvdw/dpa)