Stammheim : Ex-BKA-Präsident will Untersuchung zu RAF-Abhörung

Der frühere BKA-Präsident Horst Herold hält einen Untersuchungsausschuss des Bundestages zur Klärung, ob die RAF-Häftlinge in Stammheim abgehört wurden, für notwendig. Er bezweifelt, dass das Abhören überhaupt geschehen konnte.

München"Die jetzt ausgebreitete Indizienkette ist zwar optisch eindrucksvoll, aber der Wahrheitsbeweis für die schwerwiegende Behauptung, staatliche Stellen hätten beim Selbstmord der Gefangenen durch kriminelles Unterlassen mitgewirkt, steht aus", sagte der 83-Jährige der "Süddeutschen Zeitung". Die Vielzahl der präsentierten Dokumente suggeriere Authentizität, die aber bei näherer Betrachtung fraglich werde. Er habe Zweifel, ob das Abhören überhaupt geschehen konnte; als Gerücht gehe es schon seit Jahren um.

Das Jahr 1974 habe erschreckende Einblicke zur Steuerung der RAF aus den Zellen erbracht. "Es war ein Kommunikationssystem entstanden, in dem, vermittelt von einigen unterstützenden Anwälten, die Nachrichten zwischen drinnen und dem Untergrund draußen zirkulierten", sagte Herold. Bei Durchsuchungen seien Tausende Zellenzirkulare und Kassiber gefunden worden, die von den genannten Anwälten transportiert worden waren. "Bei einigen waren die Roben nur noch Tarnung. Die Zirkulare belegten die Beschäftigung mit Waffen, Sprengstoffen, Ausspähungen, etwa der Datenverarbeitungsanlage des BKA, für die Rechtsreferendare aus Kanzleien dieSkizzen geliefert hatten."

Die täglichen Informationsberichte des BKA und der LKAs seien eine erschütternde Lektüre gewesen. "Gänzlich unbegreiflich aber war die tägliche Zusammenführung der RAF-Häftlinge und ihr Zusammenschluss in einem großen Raum, wo sie ungestört stundenlang, auch ganze Tage ganz unter sich verblieben. Dort konnten Gefangene - durch den Staat abgeschirmt - ihre Mordpläne erarbeiten und den RAF-Genossen im Untergrund die Angriffsziele nennen." (mit ddp)