Stammheim-Prozess : RAF: Bislang unbekannte Tondokumente gefunden

Bei Recherchen sind Autoren einer Dokumentation auf verloren geglaubte Tondokumente von früheren RAF-Größen gestoßen. Zu hören ist unter anderem Ulrike Meinhofs letzte Aussage vor ihrem Selbstmord.

Stammheim
RAF-Historie: Das Gefängnis in Stammheim. -Foto: ddp

HamburgMehr als dreißig Jahre nach dem Prozess gegen führende Mitglieder der Terroristengruppe Rote Armee Fraktion (RAF) sind bislang für vernichtet gehaltene Aufnahmen mit Aussagen der Angeklagten aufgetaucht. Wie der NDR mitteilte, stießen die Autoren einer Dokumentation über die RAF bei Recherchen in Nebenräumen des Oberlandesgerichts Stuttgart auf Teile der Bänder. Die ARD-"Tagesthemen" strahlten am Abend Ausschnitte aus den Dokumenten aus. Darauf sind die RAF-Gründer Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof und Jan-Carl Raspe zu hören. Baader äußert sich unter anderem zu den Haftbedingungen in Stammheim, zu hören ist außerdem Meinhofs letzte Aussage vor ihrem Selbstmord.

Nach Angaben des NDR wurden insgesamt 21 Bänder mit etwa zwölf Stunden von Mittschnitten aus dem Gerichtssaal in Stuttgart-Stammheim gefunden. Demnach wurden die Bänder seinerzeit nach dem Abschreiben versehentlich nicht gelöscht. Die Aufnahmen seien erst nach langen Verhandlungen mit dem Oberlandesgericht Stuttgart und der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe über das Staatsarchiv Ludwigsburg in Kopie an die Dokumentarfilmer übergeben worden. Für die Veröffentlichung von Ausschnitten in der Dokumentation "Die RAF" mussten die Autoren Stefan Aust und Helmar Büchel die Genehmigung der noch lebenden Prozessteilnehmer einholen. Die zweiteilige Dokumentation soll am 9. und 10. September in der ARD gezeigt werden. (mit AFP)