Stammzellen : Hoffnung für ALS-Patienten

Forscher wollen neue Nervenzellen züchten. Damit scheint sich für die medizinische Forschung erstmals eine Alternative zur Nutzung der ethisch umstrittenen embryonalen Stammzellen anzubahnen.

Nervenzelle
Nervenzelle -Foto: dpa

Bei Patienten mit Amyotropher Lateralsklerose, kurz ALS, sterben Nervenzellen nach und nach ab, sodass zunehmend Lähmungen auftreten. Jetzt haben US-Forscher Hautzellen von ALS-Patienten zu unbegrenzt teilungsfähigen Stammzellen umprogrammiert. Anschließend verwandelten sie diese Zellen in genau diejenigen Nervenzellen, die bei den Patienten zerstört werden.

Die Wissenschaftler um Kevin Eggan vom Harvard Stem Cell Institute im amerikanischen Cambridge weisen darauf hin, dass es sich bei dem Verfahren noch nicht um eine ALS-Therapie handelt. Es sei aber ein wichtiger Schritt hin zu dem Ziel, kranke Zellen oder zerstörtes Gewebe einst mit maßgeschneiderten Ersatzzellen aus dem eigenen Körper zu ersetzen, berichten sie online im Fachmagazin „Science“.

Mehrere Forscherteams haben bereits gezeigt, dass es möglich ist, Körperzellen zu einer Art Stammzellen zurückzuprogrammieren. Diese „induzierten pluripotenten Stammzellen“ (iPS-Zellen) lassen sich unendlich vermehren und in jedes spezialisierte Gewebe des Körpers verwandeln. Damit scheint sich für die medizinische Forschung erstmals eine Alternative zur Nutzung der ethisch umstrittenen embryonalen Stammzellen anzubahnen. Allerdings war es bisher fraglich, ob sich iPS-Zellen auch aus den Körperzellen älterer Patienten mit schweren chronischen Krankheiten gewinnen lassen.

Für die neue Studie hatten die Wissenschaftler zwei 82 und 89 Jahre alten Schwestern, die an einer erblichen Form der ALS leiden, eine Hautprobe entnommen. Durch die Zugabe bestimmter Proteine als Wachstumsfaktoren verwandelten sie diese Zellen in Neuronen sowie in Astrozyten – Stützzellen des Nervengewebes, die an der Zerstörung der Nervenzellen beteiligt sind.

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