Start-ups : Marktlücke Kommunikation

Die Wirtschaftskrise bietet für Start-ups auch Chancen: Wer seine Technologie-Idee jetzt umsetzt, kann vom nächsten Aufschwung profitieren.

Tanja Könemann
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Wachstumsmarkt. Das Portal des Potsdamer Unternehmens Web2.0square bietet Dienste für Smartphones an, die den eigenen Standort und...Foto: Screenshot

Mit Videospielen will Ulrich Schulze-Althoff ältere Menschen nach der Reha-Klinik wieder fit machen – einfach zu Hause vor dem Fernseher. Sie spielen auf der seniorengerecht umgebauten Nintendo-Konsole Wii.

Der 34-jährige Wirtschaftsingenieur hat sich mit seiner Firma Kaasa Health ein Zukunftsfeld für Gründer gesucht: Medizin und Pharma, sagt Michael Brandkamp. Der Geschäftsführer des High-Tech-Gründerfonds sieht Chancen für Start-ups aber auch auf anderen Märkten der Megatrends: Klimawandel, Bevölkerungswachstum, knapper werdende fossile Brennstoffe und Digitalisierung.

Trotzdem erfordert die Gründung eines Unternehmens in der Krise mehr Mut als sonst: Das Bonner Institut für Mittelstandsforschung erwartet 2010 mehr Insolvenzen. Investorengelder bleiben knapp: Nachdem private Venture-Capital-Gesellschaften im vergangenen Jahr 40 Prozent weniger Geld ausgaben als 2008, wollen nur 43 Prozent im laufenden Jahr wieder mehr investieren. Das ergab das Venture-Capital-Panel der Consultingfirma Fleischhauer, Hoyer & Partner und der VDI Nachrichten.

Zudem dürften sich künftig mehr Unternehmer um den geschrumpften Topf drängen: Mehr Arbeitslose bedeuten auch mehr Gründer. Doch wer sich jetzt traut, sichert sich entscheidende Vorteile: Gründer werden vom zu erwartenden Aufschwung profitieren. Gerade Technologie-Innovationen gelten als besonders attraktiv. „Wegen der Krise haben viele Großunternehmen Investitionen in neue Technologien aufgeschoben“, sagt Innovationsforscher Brandkamp. „Löst sich der Innovationsstau auf, bieten sich gute Opportunitäten für High-Tech-Unternehmen.“

Große Unternehmen kämen bereits vereinzelt als Kunden zurück – ein Trend, der sich in den nächsten Monaten verstärken werde. Gründern winke dann schnelles Wachstum. „Während der Krise ist es leichter, qualifiziertes Personal, geeignete Gewerbeflächen und Lieferanten zu finden“, sagt Brandkamp.

Und wer eine gute Idee hat, findet auch jetzt Unterstützer: Die Kölner Dr. Becker Klinikgesellschaft unterstützt Kaasa Health mit medizinischem Fachwissen, Kontakten zu Krankenkassen und bei der Entwicklung der Software. Neben den Eigenmitteln des Gründers lebt das Unternehmen von der Beteiligung mehrerer Business-Angels.

Investor Brandkamp zufolge zählt auch das Internet noch zu den Wachstumsmärkten. Doch hier seien Start-ups mit Potenzial nur in bestimmten Bereichen zu finden, sagt Matthias Hornberger, Finanzchef der Beteiligungsgesellschaft Kizoo: „Sprünge in der Technologie wie das iPhone schaffen neue Chancen.“ Solch eine neue Entwicklung stellten Location-Based Services dar – Dienste für Smartphones, die den eigenen Standort und den von Freunden anzeigen. Eines dieser Portale nennt sich Beoble.me. Der Dienst wird von der Potsdamer Firma Web2.0square betrieben.

Mitgründer Lucas Will studiert Wirtschaftsinformatik und traut dem mobilen Werbemarkt einiges zu: „Auf den kleinen Handydisplays stört herkömmliche Werbung nur. Wird dem Nutzer aber ein Gratis-Getränk oder freier Eintritt in der Disko zwei Straßen von seinem Standort entfernt angeboten, freut er sich eher, als dass er sich ärgert.“

Im Februar 2009 konnte das Unternehmen zwei Business-Angels von der Idee überzeugen. „Das war gar nicht schwer. Einer unserer technischen Dienstleister fand das Projekt so spannend, dass er mit einem Co-Investor einstieg.“

In den Monaten darauf gelang es dem Start-up, einen ansprechenden Webauftritt aufzubauen und die Nutzung auf unterschiedlichen Handy-Modellen zu ermöglichen. Im Oktober 2009 ging Beoble.me dann online. Lucas Will ist überzeugt: „Wenn der Aufschwung kommt, werden Unternehmen verstärkt in mobile Kampagnen investieren. Wir werden davon profitieren“, sagt der angehende Wirtschaftsinformatiker. (HB)

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