Stasi : Knochen von KZ-Häftlingen werden bestattet

19 Jahre lang lagerten die Überreste ermordeter Juden in Schuhkartons bei der Stasi. Am Dienstag werden die Knochen nun an den Ort zurückgebracht, an dem sie 1971 gefunden wurden.

Alexander Fröhlich

Schenkendöbern - 19 Jahre lang lagen die Gebeine von jüdischen KZ-Häftlingen in der Asservatenkammer der Bezirksverwaltung für Staatssicherheit in Frankfurt (Oder) – verpackt in einfache Schuhkartons. Auch nach der Wende wurden sie nicht bestattet, sondern in der Frankfurter Stasi-Unterlagenbehörde aufbewahrt. Am Dienstag werden die Knochen nun an den Ort zurückgebracht, an dem sie 1971 gefunden wurden: eine ehemalige Kiesgrube in der Gemeinde Schenkendöbern im Landkreis Spree- Neiße. Gleichzeitig wird das Gelände zu einem jüdischen Friedhof geweiht.

Bei den Knochen handelt es sich um die sterblichen Überreste von Juden, die bei der Auflösung des KZ-Außenlagers in Jamlitz Anfang Februar 1945 von der SS ermordet wurden. Insgesamt kamen bei dem Massaker, das von Reichsführer Heinrich Himmler befohlen worden war, 1342 kranke und gehunfähige Häftlinge ums Leben, die meisten waren Juden aus Ungarn und Polen. Im Mai 1971 entdeckte man das Massengrab in Schenkendöbern, die Stasi entnahm einzelne Knochen als Beweismittel – laut Peter Fischer vom Zentralrat der Juden steckten in manchen noch die Projektile der SS-Waffen.

Die übrigen Gebeine der 577 dort gefundenen Opfer wurden im Krematorium Forst verbrannt, ein Teil der Asche wurde – so geht es aus den Akten hervor – in Lieberose bestattet, wo die DDR 1973 eine KZ-Gedenkstätte einrichtete. Der Verbleib der übrigen Asche ist unklar, auch verschwiegen die DDR-Oberen, dass das Lager Lieberose in Jamlitz nach dem Krieg als sowjetisches Speziallager genutzt worden war, wo binnen zwei Jahren mehr als 3400 Menschen zu Tode kamen.

Die Gebeine seien 1971 entgegen jüdischer Riten exhumiert worden, sagt der Sprecher der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Horst Seferens. Zudem fanden Forscher der Stiftung heraus, dass noch immer sterbliche Überreste in der Kiesgrube liegen. Damit gilt der Ort nach jüdischem Glauben als Grabstätte, der Boden als heilig. Auf Bitten des Zentralrats und der Gedenkstättenstiftung wurde das Areal nun von der Gemeinde Schenkendöbern mit Geldern der brandenburgischen Landesregierung als Friedhof gestaltet.

Bestattet werden müssten auch damals gefundene Gebisse, die die Stasi ebenfalls aufbewahrte. Doch davon fehlt jede Spur. „Laut Aktenlage wurden sie in den achtziger Jahren der Finanzverwaltung der Stasi übergeben. Was damit geschah, wissen wir nicht“, so Stiftungssprecher Seferens.

Außerdem ist der Verbleib der sterblichen Überreste von 753 Opfern des Massakers unklar. Eine dreiwöchige Suchgrabung in Jamlitz endete Mitte Mai erfolglos, nachdem zuvor jahrelang mit dem Eigentümer der Fläche darüber gestritten worden war. Nun soll auf dem Nachbargrundstück weiter gegraben werden. Denn die Archäologen stießen zumindest auf Barackenreste und Inventar des früheren Außenlagers des KZ Sachsenhausen.

Wann das Nachbargrundstück abgesucht werden kann, ist offen. „Wir prüfen, ob wir einen Durchsuchungsbeschluss erwirken“, sagte Oberstaatsanwalt Wilfried Lehmann. Sollte die Brandenburger Generalstaatsanwaltschaft mit einem solchen Vorstoß scheitern, muss das Innenministerium mit dem Eigentümer des Grundstücks über die Suchaktion verhandeln. Unterstützung gibt es von vielen Seiten: Die dort angesiedelte Jamlitz-Kommission hat sich bereits für eine Untersuchung der Fläche ausgesprochen, und Minister Jörg Schönbohm (CDU) nannte dies eine „politisch-moralische und zutiefst menschliche Verpflichtung“.

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