Der Tagesspiegel : Statistischer Jahresbericht 2000: Brandenburgs Wirtschaft stagniert

Thorsten Metzner

Brandenburg ist unter der SPD-CDU-Regierung beim Wirtschaftswachstum vom jahrelangen Spitzenplatz zum Schlusslicht in Ostdeutschland abgerutscht. Das geht aus dem Statistischen Jahresbericht 2000 hervor, den Landestatistikchef Arend Steenken gestern in Potsdam vorstellte. "Die Wirtschaft tritt auf der Stelle", sagte Steenken. Während Brandenburgs Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2000 gegenüber dem Vorjahr lediglich um 0,3 Prozent anstieg, waren es selbst in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt - in beiden Ländern gibt es rot-rote Regierungsmodelle - jeweils 0,6 Prozent. Spitzenreiter war Thüringen mit 2,1 Prozent vor Sachsen mit 1,6 Prozent, obwohl beide Länder nicht von der Dynamik eines Metropolen-Speckgürtels profitieren. Alle neuen Länder hinken hinter dem Bundesdurchschnitt von 3 Prozent hinterher, so dass sich ihr Rückstand gegenüber dem Westen weiter vergrößert. Bei den Jahres-Bruttolöhnen hält Brandenburg im Ost-Vergleich mit 40 612 DM je Beschäftigten dagegen den Spitzenplatz, während Thüringen mit 38 948 DM das Schlusslicht bildet.

In der Zeit der SPD-Alleinregierung von 1994 bis 1999 hatte Brandenburg nicht nur über mehrere Jahre den Ost-Spitzenplatz, sondern zeitweise sogar das höchste Wachstum aller deutschen Länder aufzuweisen, was der damalige SPD-Wirtschaftsminister Burkhard Dreher vor allem auf seine erfolgreiche Politik zurückführte.

Brandenburgs Wirtschaftsministerium verwies darauf, dass die Wachstumszahlen für 2000 "vorläufig" seien und sich "noch ändern können." Dies niedrige Wachstum im Lande resultiere vor allem daraus, dass die "Talsohle bei der kriselnden Bauwirtschaft noch nicht überwunden ist", sagte Sprecher Dirk Reitemeyer. Indiz dafür ist auch die drastisch angestiegende Zahl der Insolvenzverfahren an märkischen Gerichten: Mit 1869 Verfahren lag diese im Jahr 2000 um 29 Prozent höher als im Vorjahr, wobei das Baugewerbe mit 607 Firmenpleiten einen neuen Höchstand meldete. Im Vergleich der großen Städte Brandenburgs registrierte laut Bericht die Landeshauptstadt Potsdam die meisten Firmenzusammenbrüche (88).

Dafür hält, wie aus dem Statistik-Bericht 2000 hervorgeht, ein anderer Wachstumstrend an - der, wenn auch gegenüber den Vorjahren abgeschwächte Zuzug von steuerkräftigen Berlinern nach Brandenburg. Allein im 1. Halbjahr 2000 zogen 16 636 Berliner in die Mark, während es 10 181 Brandenburger in die Großstadt zog. Die Zuzügler seien vor allem aus den Bezirken Hellersdorf, Hohenschönhausen und Marzahn, aber auch aus Reinickendorf und Spandau gekommen, so Steenken. Durch Ex-Berliner, aber auch durch die anhaltende Landflucht aus den Randregionen, wächst vor allem der Speckgürtel weiter: Laut Statistisk leben dort jetzt 916 000 Einwohner - 136 600 mehr als 1991. Die ohnehin dünnbesiedelten Randregionen haben in dieser Zeit dagegen rund 90 000 Einwohner verloren. Trotz wachsender Bevölkerungszahl verliert auch Brandenburg Einwohner - in Richtung der alten Bundesländer, in die allein im 1.Halbjahr 2000 genau 10 182 Märker wegzogen. Dem standen lediglich 6600 Zuzüge aus den alten Ländern gegenüber. Steenken: "Es sind vor allem die Jungen, die gehen."

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