Stauffenberg-Jahrestag : Im Gedenken an den Widerstand

Wie in jedem Jahr geloben heute Wehrpflichtige in Berlin ihre Treue zu Deutschland. Ort und Datum sollen an den Widerstand der Offiziere gegen Hitler erinnern. Vor 63 Jahren scheiterte Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg bei dem Versuch, Adolf Hitler mit einem Bombenanschlag zu töten.

Bendlerblock
Soldat bei der Kranzniederlegung im Hof des Bendlerblocks. -Foto: dpa

BerlinDer 20. Juli 1944 ist Symbol des militärischen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus. An diesem Tag versuchte der 36 Jahre alte Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg Adolf Hitler mit einem Bombenanschlag zu töten, um mit den Westalliierten über Frieden zu verhandeln. Bei der Explosion im Führerhauptquartier "Wolfsschanze" in Ostpreußen wurde Hitler aber nur leicht verletzt. Noch in der Nacht wurden von Stauffenberg, sein Förderer General Friedrich Olbricht und andere Mitverschwörer in Berlin im Bendlerblock - damals Sitz des Heeresamtes - hingerichtet.

Stauffenberg, bei dem die Fäden zum Sturz des Reichskanzlers zusammenliefen, war von Berlin zur "Wolfschanze" geflogen. In der Baracke, wo die Lage statt wie üblich im Bunker erörtert wurde, stellte er eine Bombe mit Zeitzünder in einer Aktenmappe ab. Er verließ den Raum unter dem Vorwand, telefonieren zu müssen, und flog nach Berlin zurück. Bei der Explosion wurden 5 von 24 Anwesenden getötet.

"Operation Walküre"

Wieder in Berlin und vom Tod Hitlers überzeugt, setzte von Stauffenberg die "Operation Walküre" in Gang. Sie war ursprünglich ein Plan der Wehrmacht zur Unterdrückung eines möglichen Aufstandes im Zweiten Weltkrieg, der dann aber von den Offizieren für ihren Umsturzplan umfunktioniert wurde. Am späten Abend des 20. Juli wurde jedoch klar, dass der Anschlag gescheitert war. 200 Mitverschwörer fielen anschließend der Nazi-Justiz zum Opfer.

Seit 1999 wird immer am 20. Juli ein Gelöbnis nahe der Hinrichtungsstätte am Sitz des Verteidigungsministeriums abgehalten. Ort und Datum sollen an den Widerstand der Offiziere gegen Hitler erinnern. Ihr Streben nach Frieden und Menschenrechten soll als Traditionslinie für die Bundeswehr bewahrt werden.

Treuebekenntnis der Wehrpflichtigen

Das Gelöbnis ist das Treuebekenntnis der Wehrpflichtigen zu Deutschland. Die Rekruten bekennen sich mit den Worten: "Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen."

2001 hielt erstmals ein hoher Vertreter der Juden in Deutschland, der Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel, die Gelöbnis-Rede. 2002 sprach Polens Staatspräsident Aleksander Kwasniewski und damit erstmals ein ausländischer Politiker bei einem Bundeswehr-Gelöbnis. Helmut Kohl (CDU) ist der erste Altkanzler, der bei der Berliner Gelöbnisfeier spricht.

Am Mittag hatten bereits Repräsentanten des Bundesrats und der Bundeswehr in Berlin die Widerstandskämpfer des Militärs gegen Adolf Hitler gewürdigt. An der Zeremonie nahmen unter anderem Bundesratspräsident Harald Ringstorff (SPD), Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU), Kanzleramtschef Thomas de Maizière (CDU) und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) teil. Sie legten in der Gedenkstätte im Hof des Bendlerblocks einen Kranz nieder. (mit dpa)