Stellenabbau : ProSiebenSat.1 streicht 200 Jobs

Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 baut 180 Stellen in Deutschland ab, davon allein 100 in Berlin. Weitere 20 Jobs fallen in den Niederlanden weg. Zwei Boulevardmagazine bei Sat.1 wurden gestern zum letzten Mal ausgestrahlt.

Prosiebensat Foto: ddp
Die ProSiebenSat.1 Media AG in Berlin -Foto: ddp

München/BerlinDer TV-Konzern ProSiebenSat.1 tritt nach der milliardenschweren Übernahme der europäischen Sender-Kette SBS auf die Kostenbremse und streicht konzernweit rund 200 Jobs. 180 davon werden in Deutschland unter anderem durch die Einstellung der beiden Boulevard-Magazine "Sat.1 am Mittag" und "Sat.1 am Abend" hinfällig, die übrigen 20 Arbeitsplätze fallen durch die geplante Schließung der SBS-Zentrale in Amsterdam weg. Nach einer Analyse der Gruppe habe man sich entschlossen, Sparpotenziale auszuschöpfen, sagte ProSiebenSat.1-Chef Guillaume de Posch auf der Hauptversammlung in München. Es handele sich aber um einen "Übergangseffekt": "Durch den weiteren Ausbau der Geschäftsaktivitäten der ProSiebenSat.1-Gruppe wird es mittelfristig wieder zu einem Aufbau von Stellen kommen."

Im harten Wettbewerb auf dem Fernsehmarkt biete der Zusammenschluss mit SBS große Chancen. "In SBS haben wir den perfekten Partner", sagte de Posch. Aktionärsvertreter kritisierten vor allem den hohen Kaufpreis. ProSiebenSat.1 hatte die SBS Broadcasting Group für 3,3 Milliarden Euro übernommen. Die Akquisition ist kreditfinanziert. Zusammen kommen beide Unternehmen auf rund drei Milliarden Euro Umsatz und 6000 Beschäftigte. Der künftig zweitgrößter TV-Konzern Europas will Marktführer RTL angreifen. Dabei solle auch die Ertragskraft gestärkt werden, sagte de Posch: "Wir müssen profitabler werden, um auch in Zukunft in neue Aktivitäten wie Online und neue Programme investieren zu können und die Gruppe weiter voranzutreiben."

De Posch: Osteuropa "interessanter als England"

Für das laufende Jahr zeigte sich ProSiebenSat.1-Finanzvorstand Lothar Lanz zuversichtlich. Der Werbemarkt dürfte nach seiner Einschätzung um rund zwei bis drei Prozent wachsen. Wenn die Erwartungen erfüllt werden, könne auch das Ergebnis gesteigert werden. In den kommenden zwölf bis 18 Monaten wolle sich das Unternehmen auf die Integration von SBS konzentrieren, sagte de Posch. Danach werde das Thema Akquisitionen interessant. Osteuropa sei dabei "interessanter als England", konkrete Pläne gebe es derzeit nicht.

In Deutschland sind rund 100 Jobs in Berlin und weitere 80 in München betroffen, bei 100 der Stellen handelt es sich um befristete Arbeitsverhältnisse. Die beiden Magazine "Sat.1 am Mittag" und "Sat.1 am Abend" waren am Montag letztmals ausgestrahlt worden. De Posch verteidigte die Einschnitte, die allein vom Management der Gruppe beschlossen worden seien und "nicht auf Druck von Gesellschaftern wie KKR und Permira". Das Sat.1-Management habe alle Sendungen auf Leistung und Rentabilität überprüft, nun würden einige Formate ersetzt, "die diesen Ansprüchen nicht genügen."

Aus für Nachtnews von N24

Nach den Worten von Sat.1-Geschäftsführer Matthias Alberti sind von der Absetzung der beiden Sat.1-Boulevard-Magazine insgesamt 54 Beschäftigte betroffen. Die Magazine hätten sich nicht rentabel verkaufen lassen, sagte Alberti. Ihre Einstellung habe keine Auswirkungen auf die Hauptnachrichten. Ziel sei es, die Programmbudgets so Erfolg versprechend wie möglich einzusetzen. Auch die vom Nachrichtensender N24 produzierten Nachtnews stelle Sat.1 Ende August vor allem wegen der geringen Zuschauernachfrage ein, sagte Alberti. Personelle Auswirkungen seien dadurch nicht zu erwarten.

Aktionärsschützer Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger kritisierte den SBS-Kaufpreis als zu hoch: "Ein guter Deal zum unverschämten Preis - das trifft es ziemlich auf den Kopf", sagte Schneider, "das Problem ist natürlich: Wie tilgen Sie die Schulden?" Wenn das Zins- und Konjunkturumfeld wieder schwieriger werde, könnte die Finanzierung Probleme bereiten. Auch an den in Aussicht gestellten Synergien von 80 bis 90 Millionen Euro pro Jahr äußerte er Zweifel: "Die Praxis zeigt leider hinterher, dass das meistens Wunschdenken ist." Bei dem Aktionärstreffen sollten zwölf Aufsichtsratsmitglieder neu gewählt werden, die meisten davon Vertreter von KKR und Permira. (mit dpa)