Stiftungsboom : Geben und darüber reden

Immer mehr Unternehmen gründen Stiftungen. Sie erhoffen sich davon auch ein besseres Image.

Gábor Takács

Berlin - Unternehmensnahe Stiftungen sind in der Regel reicher als andere Stiftungen, und sie setzen andere Prioritäten. Das ergibt sich aus einer Studie des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen und der Vodafone Stiftung Deutschland.

Die Bundesrepublik erlebe einen richtigen Stiftungsboom, und die Arbeitgeber trügen erheblich dazu bei, sagte Bernhard Lorentz, Geschäftsführer der Vodafone Stiftung Deutschland, bei der Präsentation der Studie in Berlin. Fast 40 Prozent der derzeit etwa 1500 unternehmensnahen Stiftungen sind im vergangenen Jahrzehnt gegründet worden. Insgesamt hat fast jede vierte Firmenstiftung ein Vermögen von mehr als zehn Millionen Euro, sieben Prozent sogar mehr als 100 Millionen. Bei öffentlichen Stiftungen ist eine so hohe Finanzausstattung ganz selten. Dementsprechend groß ist der Unterschied im jährlichen Fördervolumen. Auch die Zielsetzungen sind verschieden: Unternehmensnahe Stiftungen fördern vergleichsweise wenige soziale, dafür aber viele wissenschaftliche Projekte. Bei den etwa 600 Stiftungen, die von öffentlich-rechtlichen Sparkassen getragen werden, sind lokale und regionale Initiativen am wichtigsten, darunter relativ viele mit kulturellem Inhalt.

 Mehr als 90 Prozent der unternehmensnahen Stiftungen sind in den alten Bundesländern zu Hause. In Berlin gibt es lediglich 41, davon zwei Sparkassenstiftungen; in Brandenburg nur 19, davon sind ganze 13 von Sparkassen gegründet. Die meisten Firmenstiftungen sitzen in Nordrhein-Westfalen (358), Bayern (249) und Baden-Württemberg (223).

  Der Stiftungsboom ist teilweise damit zu erklären, dass die Bevölkerung immer mehr gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen und Unternehmern erwartet, betonen die Experten. Die Unternehmen wollen Zwecke fördern, die in ihrem sozialen, regionalen oder thematischen Umfeld stehen, und dabei erhoffen sie einen positiven Imagetransfer. Neben Unternehmens-Stiftungen, deren Kapital aus dem Privatvermögen eines Firmeninhabers besteht, gibt es immer mehr sogenannte Corporate Social Responsibility- (CSR-)Stiftungen. In diesem Fall stammt das Kapital aus dem Unternehmensvermögen. Und über die Förderprojekte entscheiden – zum Teil extern besetzte – Beiräte. CSR-Stiftungen sind stark in das allgemeine Marketingkonzept der Firma eingebunden, hat die Studie ermittelt.

Helmut Reitze, Intendant des Hessischen Rundfunks und Mitglied mehrerer Stiftungsbeiräte, betonte bei der Präsentation, dass das gesellschaftliche Engagement der Unternehmen mit der Gründung einer Stiftung transparenter, langfristiger und professioneller wird. Bei anderen Formen des „Corporate Giving“, wie etwa Sponsoring oder Spenden, fehle oft sowohl die Transparenz als auch die Kontinuität. In vielen Fällen folgen die Förderprioritäten schlicht den Hobbys einzelner Vorstandsmitglieder.

 Die unternehmensnahen Stiftungen seien immer stärker miteinander sowie mit der öffentlichen Hand vernetzt, sagte Helmut Reitze. So ist etwa die 1998 gegründete Stiftung Museum Kunst Palast in Düsseldorf ein klassisches Beispiel für eine öffentlich-private Partnerschaft (Public-Private-Partnership). Hier arbeitet die Landeshauptstadt mit mehreren privatwirtschaftlichen Förderern zusammen. Neben einzelnen Firmen stoßen aber auch Arbeitgeberverbände ins Stiftungssegment vor, heißt es in der Studie. Ein aktuelles Beispiel ist die Nordmetall-Stiftung, die 2004 von drei Landesverbänden der Metall- und Elektro-Industrie gegründet wurde. Gábor Takács