Stiftungsidee : Land lässt Denkmalschutz alt aussehen

Kulturministerium stellt 2011 erstmals keine Landesmittel für Nothilfen bereit. Ex-Ministerpräsident Stolpe spricht sich für die Gründung einer Stiftung aus.

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Teures Erbe. Historische Schmuckstücke wie das Reißigerhaus und die Kirche St. Marien in Belzig brauchen Pflege.
Teures Erbe. Historische Schmuckstücke wie das Reißigerhaus und die Kirche St. Marien in Belzig brauchen Pflege.Foto: Thilo Rückeis

PotsdamEs geht um Zeugnisse aus der Mark, wie sie einst Theodor Fontane beschrieb: In Brandenburg verfallen immer noch tausende Denkmale, aber Fördermittel des Landes für die Rettung gibt es schön länger kaum. Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos) überraschte am Mittwoch im Fachausschuss des Landtages mit der neuen Hiobsbotschaft, dass 2011 zum ersten Mal in der Geschichte des Landes keine Mittel für Nothilfen bereitstehen, um bedrohte Denkmale zu retten.

Man bemühe sich nun in Gesprächen mit anderen Ministerien, „kreative Wege“ zu finden, um Denkmal-Mittel aus anderen Töpfen, etwa der EU, des Bundes, von Stiftungen „zu ergattern“, sagte Kunst. Sie reagierte wohlwollend auf einen Vorstoß von Landeskonservator Detlef Karg für eine öffentlich-rechtliche „Landesdenkmalstiftung“, die mit einem einmal zu finanzierenden Grundstock von etwa 20 Millionen Euro zielgerichtet, langfristig Denkmalförderung sicherstellen. „Denkmalschutz ist nicht zum Nulltarif zu haben“, sagte Karg.

Das Modell sei geprüft, das Problem sei der Kapitalstock, sagte Kunst. Unterstützung für die Stiftungsidee bekam Karg von Alt–Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD), der dem ehrenamtlichen Landesdenkmalbeirat vorsteht: Man solle damit anfangen, selbst mit einem kleinen Startetat. „Noch“ könne Brandenburg sein Denkmalschutzgesetz erfüllen, warnte Stolpe. Mindestens 300.000 Euro Denkmalmittel pro Jahr für „die größten Katastrophenfälle“ seien nötig. Er sprach von der „interessanten Lage, dass es einen Haushaltstitel gibt, bei dem nun eine Null steht.“ Bis 2004 standen dort eine Million Euro, seitdem rund 400.000 Euro, die die damalige Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) für die konzertierte Denkmalförderung gemeinsam mit Mitteln anderer Ministerien bereit stellte.

Aber der 65-jährige Karg, seit 1991 Landeskonservator, ist Kummer gewohnt. Seine Behörde war in den 90er Jahren aus Potsdam ins ferne Wünsdorf zwangsumgesiedelt worden, fern vom Entscheidungszentrum. Etat und Personal des Landesamtes wurden seitdem zusammengestrichen, 1999 hatte es 123 Mitarbeiter, 2013 werden es noch 80 sein. Die Situation in Brandenburg sei „bundesweit einmalig“, sagte Karg. „Wir sind das einzige Land ohne einen Denkmalfonds, mit dem schnell, unbürokratisch bei Gefahr in Verzug Geld ausgezahlt werden kann.“ Er verwies darauf, dass eine Stiftung das strukturelle Dilemma lösen könne, zumal der Sparkurs des Landes weitergehe und keine Besserung für den Denkmalschutz in Sicht sei. Andere Länder, ob Berlin, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Hessen hätten längst ähnliche Konstruktionen.

Und zu tun gibt es genug. In Brandenburg gibt es derzeit 12.000 bereits eingetragene Denkmale, allein 1200 Dorfkirchen, rund 500 Schlösser und Herrenhäuser, Industriebauwerke. Etwa jedes Dritte auf dem flachen Land, in den Städten jedes zweite sei inzwischen auf Vordermann gebracht worden, sagt Karg. Die Experten im Landesdenkmalamt schätzen, dass es insgesamt rund 25.000 bis 30.000 Denkmale gibt.

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