Der Tagesspiegel : Stilles Gedenken an den 17-jährigen Marinus Trauermarsch zum Ort des grausamen Verbrechens in Potzlow

Claus-Dieter Steyer

Potzlow. Zwischen zwei Kreuzen bewegte sich gestern ein langer Trauermarsch durch das kleine Potzlow bei Prenzlau. Das eine gestaltete die Kirchengemeinde aus Teelichtern vor dem Altar. Das zweite hatten Jugendliche am Abend zuvor aus Holz gebaut.

Mit dem Lötkolben hatten sie den Namen „Marinus Schöhberl“ eingebrannt. In aller Stille brachten sie das Kreuz an den Eingang zum einstigen Schweinestall am Ortsrand.

Nur wenige Meter dahinter war das Leben des 17-Jährigen am 12. Juli auf grausame Weise beendet worden. Drei Jugendliche aus Potzlow hatten den Jungen hier gequält und mit einem Stein erschlagen. Die Leiche vergruben sie in der Güllegrube, wo sie vor einer Woche nach einem Hinweis eines der Täter entdeckt wurde.

„Mein Gott, Marinus sah aus wie mein Sohn. Es hätte also auch ihn treffen können“, sagte eine Mutter voller Tränen nach dem Gottesdienst, den etwa 200 Menschen besucht hatten. „Er trägt auch blondierte Haare und weite Hosen. Die Täter hatten als Motiv für ihre Tat das Aussehen ihres Opfers angegeben. Sie hatten Marinus als „Jude“ beschimpft.

„Warum haben wir nicht gemerkt, was sich da zusammenbraute?“, fragte Eva-Lotte Reimer, Mitglied der Protzlower Jungen Gemeinde beim Gottesdienst. „Warum haben wir nichts bemerkt, als Marinus vermisst wurde? Warum wollen die Erwachsenen schon wieder zur Normalität übergehen?“ fragte sie. Pfarrer Johannes Reimer stellte fest, dass sich zwar einige Menschen im Ort für die unfassbare Tat interessierten – „aber nicht wenige Menschen wollten darüber gar nichts wissen und suchten nicht das Gespräch.“

Schweigend legten die Potzlower Blumen und Kränze am provisorischen Kreuz nieder, darunter auch der Vater der beiden geständigen und in Haft sitzenden Brüder.

Ministerpräsident Matthias Platzeck sicherte der Familie des Opfers und den Kindern und Jugendlichen, die die Leiche des 17-Jährigen in der Grube ausgebuddelt hatten, Hilfe zu. Er erinnerte an das Vermächtnis von Regine Hildebrandt, deren Todestag sich am Dienstag zum ersten Mal jährt: „Der tiefe Sinn des Lebens liegt im Miteinander“. Platzeck appellierte vor allem an die Eltern, sich mehr um ihre Kinder zu kümmern. Institutionen allein könnten solche Taten nicht verhindern.

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