Der Tagesspiegel : Störche: Südwärts via Paris - statt Balkan

Nicht nur beim Menschen sorgen Urlaubsvorbereitungen für Streit, sondern auch beim Storch. Neuerdings beobachten Forscher, dass immer mehr Niederlausitzer Störche auf dem Weg ins warme Winterquartier die Westroute nehmen, also mit alten Gepflogenheiten brechen - und man kann sich vorstellen, was da im Horst los ist. Sie: Schatz, diesmal fliegen wir über Paris nach Afrika. Er schweigt. Sie: Schaaaaaatz! Er: Ich hör dich ja. Sie: Paris! Louvre! Champs Elysées! Er: Aber bisher sind wir doch immer über den Balkan nach Israel und Ägypten geflogen. Sie: Immer, immer, immer ... Er: Und das hat uns immer gut gefallen. Sie: Und jetzt machen wir es mal anders. Er: Aber warum denn bloß? Sie: Braucht eine Dame Gründe, um nach Paris zu wollen?

Das stürzt nicht nur das Storchenmännchen in Verwirrung. Auch Storchenforscher Wolfgang Köhler steht den geänderten Flugrouten ratlos gegenüber: Sind die Störungen der traditionellen Flugroute durch die Auseinandersetzungen auf dem Balkan für die neuen Wege verantwortlich - oder natürliche Ursachen? Oder ist es der Herdentrieb? Die Vögel sammeln sich vor dem Abflug an traditionellen Rastplätzen und schließen sich den Zügen an. Vielleicht, so Köhler, übernehmen dort einfach Westzieher die Führung und die Masse der Vögel folgt ihnen einfach. Sicherer ist auch die neue Route nicht, in Frankreich und Spanien wurden Gefahrenpunkte wie offene Wasserbehälter entdeckt, die Störchen zum Verhängnis wurden.

Trotz neuer Zugroute blieb die Lausitz eine Storchenregion, die Zahl der Brutpaare stieg in den vergangenen 25 Jahren kontinuierlich auf fast 400. Damit es noch mehr werden, wettstreiten einige Dörfer bereits um die besseren Nistplatzangebote. Bleibt zu hoffen, dass Paris die Damen nicht verdirbt. Sonst muss statt mit stillgelegten Schornsteinen bald mit Gucci geworben werden.

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