Störfälle : Weiteres Leck in AKW Krümmel

Die Pannenserie reißt nicht ab: Im Atomkraftwerk Krümmel ist ein Loch im Turbinenbereich entdeckt worden. Der Betreiber Vattenfall lenkte indes ein und will mit den Behörden zusammenarbeiten.

André Klohn[ddp]
Krümmel
Gretchenfrage Kernkraft: Das Atomkraftwerk Krümmel. -Foto: ddp

Hamburg/KielDie Pannenserie in Atomkraftwerken des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall Europe reißt nicht ab. Im Turbinenbereich des AKW Krümmel entdeckten Mitarbeiter ein etwa zwei Millimeter großes Loch an einem Entlüftungsstutzen der Vorwärmanlage. Nach Vattenfall-Angaben lagen die "radiologischen Auswirkungen unterhalb der Messgrenze". Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) schließt einen Entzug der Betriebserlaubnis für das Atomkraftwerk Krümmel nicht aus.

Der Bundesumweltminister drohte dem Betreiber an, ein Wiederanfahren des AKW Krümmel zu unterbinden. Die Bundesaufsicht könne die schleswig-holsteinische Atomaufsicht anweisen, einem Wiederanfahren nicht zuzustimmen, sagte Gabriel. Es müsse "sehr präzise" geklärt werden, warum nach dem Transformatorbrand die vorgesehenen Sicherheitsbestimmungen nicht exakt befolgt worden seien und welche Rolle dabei das Verhalten "entscheidender Mitarbeiter" gespielt habe. Vieles spreche dafür, dass es Kommunikationsprobleme gegeben habe.

Gabriel zeigte sich überzeugt, dass die Kieler Atomaufsicht kein Wiederanfahren vor Klärung aller Fragen erlaube. Notfalls werde der Bund dies mit einer atomrechtlichen Weisung "selbstverständlich" verhindern. In diesem Fall trage der Bund auch das Prozessrisiko, falls Vattenfall Schadenersatz geltend mache.

Entzug der Betriebserlaubnis wird geprüft

Die Kieler Aufsichtsbehörde prüft weiterhin die rechtlichen Möglichkeiten eines Entzugs der Betriebserlaubnis. Ein Ergebnis werde "eher Wochen als Tage" dauern, sagte Ministeriumssprecher Oliver Breuer. Er betonte, das Ministerium wolle neben dem Reaktorfahrer und dem Schichtleiter zwei weitere Mitarbeiter befragen. "Wir wollen uns ein Gesamtbild machen."

Der Betreiber selbst lenkte ein und will den Behörden diese Befragung nun doch ermöglichen. Ein genauer Termin steht nach Angaben von Vattenfall-Sprecher Ivo Banek aber noch nicht fest. Das Unternehmen kündigte für Freitag einen Zwischenbericht zu den Vorfällen in Krümmel an. "Wir arbeiten ohne Abstriche mit der Aufsichtsbehörde zusammen", sagte er.

Ermittlungen wegen sexueller Belästigung

Unterdessen wurde bekannt, dass in Schweden gegen acht Bauarbeiter wegen sexueller Belästigung ermittelt wird, die auf dem Werksgelände des von Vattenfall betriebenen AKW Ringhals gearbeitet haben. Der Vorfall ereignete sich nach Vattenfall-Angaben bereits vor zwei Wochen außerhalb des AKW in einem Hotel, wo die Männer in alkoholisiertem Zustand weibliches Reinigungspersonal belästigt haben sollen. Daraufhin habe sich der Energiekonzern von den Bauarbeitern getrennt.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) verzeichnet zunehmend Pannen in älteren Atomkraftwerken. Die "meldepflichtigen Ereignisse" nähmen bei älteren AKW auf jeden Fall zu, sagte BfS-Präsident Wolfram König. Besonders die 1969 entworfene Baureihe tue sich hier hervor. "Was wir jetzt feststellen, ist der Versuch der Unternehmen, gerade von neueren Kraftwerken Reststrommengen auf ältere zu übertragen." Dies sei nicht im Sinne des Gesetzgebers.