Der Tagesspiegel : Stolpe-Nachfolge: Diskussionsbeitrag von Wilma Simon

Thorsten Metzner

Stolpe reagiert distinguiert auf Simons Beitrag zur Nachfolge-Debatte

Potsdam. Der Kommentar von Manfred Stolpe hätte nicht knapper ausfallen können: "Ich schätze die Ratschläge von Frau Simon sehr. Und habe sie nie alle befolgt." Das war für den sonst diplomatisch zurückhaltenden Regierungschef Brandenburgs allerdings deutlich genug - als Barometer seiner Verärgerung. Bezeichnend auch, dass SPD-Landeschef und Stolpe-Kronprinz Matthias Platzeck von einer "Diskussion zur Unzeit" sprach - "bei allem Respekt für Simon". Und auch andere märkische Sozialdemokraten machten am Montag aus ihrer Verärgerung und Verwunderung keinen Hehl, dass die in wenigen Tagen aus gesundheitlichen Gründen ausscheidende Finanzministerin Wilma Simon ausgerechnet jetzt die hochsensible Frage um den Termin der Stolpe-Nachfolge erneut öffentlich aufwarf - und damit vor und hinter den Kulissen für Wirbel sorgte. "Niedrighängen", lautete daher die Parole in Staatskanzlei und SPD-Zentrale. Der Landesvorstand sehe keinen Anlass für eine solche Debatte, so SPD-Landesgeschäftsführer Klaus Ness. Die Position Simons sei "lange bekannt." In einem Interview der "Berliner Morgenpost" hatte sich Simon als erste hochrangige SPD-Politikerin im Land unmissverständlich dafür ausgesprochen, dass es mit Blick auf die Landtagswahl 2004 "vernünftig" sei, wenn Stolpe rechtzeitig den Stab an Matthias Platzeck weitergebe.

Dabei hatte Stolpe erst kürzlich definitiv erklärt, dass bis zum Ende der Legislaturperiode Ministerpräsident bleiben werde, um die anhaltenden Gerüchte und Spekulationen einer vorzeitigen Stafettenübergabe an Platzeck auch innerhalb der SPD zu beruhigen. Eine Aussage, die auch im Sinne Platzecks war, für den die Debatten um seine Zukunft, auch um Avancen von Bundeskanzler Gerrhard Schröder für sein Potsdamer Amt im Moment nicht hilfreich sind. Allerdings hatte Stolpe offengelassen, ob er 2004 erneut als SPD-Spitzenkandidat antreten werde.

Und Simon, die nur aussprach, was in der Partei ohnehin längst diskutiert wird? Sie bemühte sich am Montag um Schadensbegrenzung. Sie habe nicht einen vorzeitigen Rücktritt Stolpes gefordert, sagte sie gegenüber dem Tagesspiegel. Eine Debatte in der Partei zu diesem Thema mache jetzt keinen Sinn, weil diese Stolpe zum "Ministerpräsidenten auf Zeit machen würde." Dies müsse kurz vor der Wahl entschieden werden. Nach den bisherigen Erfahrungen, so Simon, "wäre es allerdings besser, wenn jemand aus dem Amt heraus antritt."

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