Straßenrennen : Radprofi Sanchez trotzt der Hitze

Samuel Sanchez ist mit dem heißen Wetter in Peking am besten zurecht gekommen und sprintete zum ersten spanischen Olympia-Gold im Straßen-Radsport. Die deutsche Medaillenhoffnung Stefan Schumacher stieg 47 Kilometer vor dem Ziel ausgelaugt mit stechendem Kopfschmerz vom Rad.

Peking 2008 - Radsport Foto: dpa
Alle abgehängt. Samuel Sanchez.Foto: dpa

Der 30-jährige Sanchez triumphierte am Samstag über 245,4 Kilometer nach einem packenden Finale im Sprint einer sechsköpfigen Spitzengruppe. Knapp geschlagen holte Davide Rebellin an seinem 37. Geburtstag nach 6:23:49 Stunden im Smog von Peking Silber. Hinter dem für den deutschen Gerolsteiner-Rennstall fahrenden Italiener sicherte sich der Schweizer Fabian Cancellara die Bronzemedaille.

Rebellins Team-Kollege Fabian Wegmann wurde als bester Deutscher mit 2:28 Minuten Rückstand 21. und stöhnte nach dem Kraftakt bei 30 Grad Celsius und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit: „Ich bin noch nie unter solchen klimatischen Bedingungen gefahren.“ In den Innenflächen seiner Hände hatte sich die Haut gelöst. „Das sieht aus wie bei einem Langstrecken-Schwimmer“, sagte der zweifache deutsche Meister, der die Tour de France nach mehreren Stürzen drei Tage vor Schluss wegen Zeitüberschreitung verlassen musste.

Der zweifache Tour-Etappensieger Schumacher musste in der drittletzten von sieben Abschluss-Runden am Juyongguan-Pass passen. „Das war heute grenzwertig, wenn überhaupt. Ich hatte Kopfschmerzen und Stechen in der Lunge. Ich konnte nicht mehr“, sagte der Schwabe. Das Zeitfahren betrachtet er jetzt mit einer gehörigen Portion Zurückhaltung, obwohl er bei der Tour die Weltelite im Kampf gegen die Uhr fast nach Belieben beherrscht hatte. „Die Hoffnung stirbt zuletzt, immerhin geht es am Mittwoch nur über 47 Kilometer und meine Tour-Form ist noch da“, sagte Schumacher.

Bester Laune nach den Strapazen des Rennens war Sanchez. „Ich kann Gold noch gar nicht fassen. Das ist für mich wie nicht von dieser Welt“, jubelte der Olympiasieger, dem die spanischen Star-Fahrer Carlos Sastre, Alejandro Valverde und Alberto Contador den Vortritt gelassen hatten. Aber auch der Mann aus der zweiten Reihe unterstrich die augenblickliche Dominanz der spanischen Sportler. Das Rennen begann für die nur 143 Starter mit einer Stadtrundfahrt durch das Smog-verdunkelte Peking. Nach dem Startschuss am Platz des Himmlischen Friedens bewegte sich das Feld durch die Innenstadt Richtung Autobahn. Am Straßenrand standen Zehntausende Fähnchen schwingende Zuschauer, die Jubel-Routine verrieten.

Das Fahrer-Feld kam nur sehr zögerlich in Gang - aus Rücksicht vor den Witterungsbedingungen. Das schwülheiße Klima und die dicke Luft spielten eine mitentscheidende Rolle: Die Betreuer hatten für die fünf Starter des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) 100 Liter Wasser bereitgestellt. Kühlendes Nass auf der 12 Kilometer langen Steigung der Schlussrunde kam auch aus einer über die Straße rieselnden Dusche. Team-Betreuer Hans-Michael Holczer hatte vorher zu einer zurückhaltenden Renneinteilung geraten: „Es steht einfach weniger Sauerstoff zur Verfügung.“ Gerald Ciolek aus Pulheim war als erster deutscher Fahrer vier Runden vor Schluss am Ende. „Das kam mir vor wie Höhentraining“, sagte der 21-jährige Sprinter aus dem Columbia-Team.

Nach 78,8 Kilometern Anfahrt über flaches Terrain hatten die Fahrer den 622 Meter hohen am Fuß der Chinesischen Mauer erreicht. Dort standen vor der imposanten Kulisse zahlreicher Ming-Tempel, die wegen des Smogs nur schemenhaft zu erkennen waren, die entscheidenden sieben Runden über je 23,8 Kilometer an. Die Frauen müssen am Sonntag den gleichen Kurs bewältigen, allerdings mit zwei Abschlussrunden. (dpa)