Streikankündigungen : Lokführer-Tarifkonflikt bei der Bahn eskaliert

Im Tarifkonflikt zwischen der Lokführergewerkschaft und der Bahn verschärft sich die Gangart. Ab Donnerstag will die GDL im Regionalverkehr und bei der S-Bahn streiken. Für die Reisenden dürfte es Ende dieser und Anfang der nächste Woche zu erheblichen Behinderungen kommen.

GDL Bahn
Auf ein Neues. GDL-Lokführer protestieren auf dem Leipziger Hauptbahnhof. -Foto: dpa

Frankfurt/MainGanztägige Streiks der Lokführer könnten von Donnerstag an bei der Bahn für Chaos sorgen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) kündigte unmittelbar nach Ablauf eines Ultimatums an, dass am Donnerstag, Freitag, Montag und Dienstag gestreikt werden könne. Am Wochenende soll der Zugverkehr aber normal laufen. Damit erreicht der Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn eine neue Eskalationsstufe.

Die Arbeitsniederlegungen sollen auf Regionalzüge und S-Bahnen beschränkt bleiben. Die GDL will den Termin erst "in den späten Nachmittagsstunden bekanntgeben", wenn am folgenden Tag gestreikt werden soll. Der Güter- und Fernverkehr darf nach einem Beschluss des Arbeitsgerichts Chemnitz bis auf weiteres nicht bestreikt werden. Allerdings könnte der Ausstand im Regionalverkehr auch Auswirkungen auf den Fernverkehr haben, so dass auch Urlaubsreisende in den Herbstferien betroffen wären.

Bahn will sich mit Ersatzfahrplänen aushelfen

Bahn-Vorstandsmitglied Karl-Friedrich Rausch sagte, die GDL lasse "mit ihren vagen Ankündigungen der DB AG keine Chance, Ersatzfahrpläne einzurichten". Dies hatte die Bahn am vergangenen Freitag getan. Für solche Notpläne sei ein erheblicher zeitlicher Vorlauf nötig, den es bei kurzfristiger Ankündigung nicht gebe. Das Unternehmen warf der GDL vor, den Bahnkunden bewusst zu schaden.

Am Dienstagnachmittag war ein Ultimatum der GDL an die Bahn verstrichen, ohne dass das Unternehmen der Gewerkschaft ein neues Angebot vorgelegt hatte. "Wir nehmen den Kampf auf, wir sind gut gewappnet", sagte Schell. Der Arbeitgeber wolle offenbar gar nicht mehr verhandeln, "sondern die GDL eliminieren". Die Gewerkschaft kämpfe weiter für einen eigenen Tarifvertrag für das Fahrpersonal. Darin verlangt sie Einkommenserhöhungen von mehr als 20 Prozent und eine Verkürzung der Arbeitszeit.

Spitzengespräch angemahnt

Rausch warnte streikende Lokführer davor, mit gezielt an Knotenpunkten abgestellten Nahverkehrszügen auch den Fernverkehr zu behindern. Das wäre aus Sicht der Bahn unzulässig. Das Arbeitsgericht Chemnitz hatte per einstweiliger Verfügung Streiks untersagt, die über den Regionalverkehr hinausgehen. Noch in dieser Woche wird das Gericht beiden Seiten die schriftliche Begründung des Beschlusses mitteilen. Dann können Bahn und GDL entscheiden, ob sie gegen die Entscheidung der Richter vorgehen wollen.

Der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, Karl-Heinz Daehre (CDU), mahnte unterdessen eine rasche Beilegung des Tarifkonflikts an. Bahnchef Hartmut Mehdorn und GDL-Chef Schell müssten sich umgehend zu einem Spitzengespräch treffen, sagte der Verkehrsminister Sachsen-Anhalts. Es müsse ein Kompromiss gefunden und weitere Streiks verhindert werden. Je länger der Streit anhalte, desto mehr schade er dem Standort Deutschland. (mit dpa)