Streikdrohung : Bahn-Chef Mehdorn will kurzfristig verhandeln

Die Website der Lokführergewerkschaft GDL wurde am Morgen von Hackern in Besitz genommen. Diese verkündeten dreist eine Einigung mit der Bahn. Die Gewerkschaft nahm ihre Seite daraufhin kurzzeitig vom Netz. Bahn-Chef Mehdorn will jetzt doch kurzfristig wieder mit der GDL verhandeln.

Markus Mechnich
Bahn-Streiks
Streik oder nicht Streik? Die Internet-Seite der GDL verkündete am Morgen eine Einigung im Bahn-Konflikt. -Foto: ddp

Frankfurt/MainHeute morgen um 7.40 Uhr war auf der Website der Lokführergewerkschaft GDL die Falschmeldung "Auf dem kurzen Dienstweg: GDL einigt sich mit der Deutschen Bahn" zu sehen. Die GDL habe ihre Homepage daraufhin sofort gesperrt und sei dabei, die Folgen des Angriffs zu beseitigen. Die Täter würden von der GDL strafrechtlich verfolgt. Mittlerweile ist die Website der Lokführergewerkschaft wieder im Netz präsent. Eine Äußerung zu dem Angriff war bisher jedoch nicht zu finden.

Bahn-Chef Mehdorn hat sich im Tarifstreit mit der Lokführergewerkschaft GDL inzwischen auch zu neuen Verhandlungen bereit erklärt. "Kehren Sie an den Verhandlungstisch zurück, wir sind dazu auch kurzfristig bereit", erklärte Unternehmenschef Hartmut Mehdorn. Gleichzeitig wies er Vorwürfe der Gewerkschaft zurück, die Existenz der GDL in Frage zu stellen. "Davon kann überhaupt keine Rede sein. Niemand stellt die Existenz der GDL in Frage. Es geht einzig und allein darum, Forderungen abzuwehren, die das Unternehmen wirtschaftlich nicht verkraften kann", erklärte Mehdorn weiter.

Streikrecht in Gefahr?

Zeitgleich gehen die verbalen Gefechte als Vorläufer der für Donnerstag und die folgende Tage angekündigten Streiks weiter. Die Bahn hat nach eigenen Worten keine Möglichkeit, Notfahrpläne aufzustellen, um die Auswirkungen zu mildern. Bahn-Vorstandsmitglied Karl-Friedrich Rausch sagte, die GDL lasse "mit ihren vagen Ankündigungen der DB AG keine Chance, Ersatzfahrpläne einzurichten". Dies hatte die Bahn am vergangenen Freitag getan.

Nach Ansicht des Arbeitsrechtlers Wolfgang Däubler gefährden die gerichtlichen Beschränkungen das Streikrecht. "Wenn man auch den Fernverkehr einige Tage bestreiken könnte, wäre eine Einigung im Tarifstreit mit der Bahn wahrscheinlich relativ schnell da", sagte der emeritierte Professor für deutsches und europäisches Arbeitsrecht. Das Urteil des Arbeitsgerichts Chemnitz halte er für "absolut falsch".

Zunehmend Streit in der Bahn-Belegschaft

GDL-Site
Mittlerweile ist die Website der Lokführergewerkschaft wieder im Netz zu sehen. -Foto: Screenshot

Unterdessen hat die Bahngewerkschaft Transnet angesichts des andauernden Arbeitskampfes der GDL vor einer Entsolidarisierung bei der Bahn gewarnt. "Es gibt nicht nur zunehmend Streit zwischen Lokführern und anderen Teilen der Belegschaft, sondern auch zwischen den Lokführern selbst", sagte Transnet-Sprecher Michael Klein der "Berliner Zeitung". Zudem werde bereits unter Fahrdienstleitern, Stellwerkern oder Wagenmeistern diskutiert, ob man in Zukunft nicht ähnlich wie die Lokführer einen separaten Tarifabschluss anstreben sollte.

Vom Donnerstag an will die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) den Regionalverkehr ganztags bestreiken. Das kommende Wochenende soll von Streiks frei bleiben. Allerdings sollen die Aktionen in der kommenden Woche fortgesetzt werden. Die Lokführer wollen auch eine neue Qualität in die Streiks bringen. Nicht mehr nur drei Stunden sollen die Ausstände dauern sondern ganztägig stattfinden. Die Arbeitsniederlegungen werrden zwar auf Regionalzüge und S-Bahnen beschränkt bleiben, könnten aber auch Auswirkungen auf den Fernverkehr haben, so dass auch Urlaubsreisende in den Herbstferien mit Verspätungen rechnen müssen. Der Güter- und Fernverkehr darf nach einem Beschluss des Arbeitsgerichts Chemnitz bis auf weiteres nicht bestreikt werden. (mit dpa)