Der Tagesspiegel : Streit um 8. Mai auch in Kleinmachnow

Marc Neller

Kleinmachnow – Das Gedenken zum 60. Jahrestag des Kriegsendes hat nun auch in Kleinmachnow eine politsche Kontroverse ausgelöst. Der stellvertretende CDU-Gemeindratsvorsitzende Fred Weigert kritisierte in einem Brief an den Grünen-Kreistagsabgeordneten Axel Mueller, dass dieser den 8. Mai als Tag der Befreiung wertet. Dies sei eine „Ulbrichtsche Reminiszenz“, die antiquiertem „Sendungsbewusstsein“ entspringe.

Mueller sagte, der Brief habe ihn „überrascht und getroffen“. Er kenne Weigert, dieser sei ihm bisher nicht mit „seltsamen historischen Äußerungen“ aufgefallen. Zudem schrieb Weigert: „Stalins rote Horden haben uns vom Faschismus befreit. Weiß Gott nicht!“ Sie hätten eine schreckliche Ideologie durch eine andere ersetzt. Als „besonders befremdlich“ bezeichnete Mueller einen Abschnitt, in dem es heißt: „Die Deutschen sind im vorletzten Teil des europäischen Bürgerkrieges tragisch gescheitert.“ Ihre Schuld könnten sie nicht dadurch ablegen, dass „sie sich von Teilen ihrer Gesellschaft lossagen und als scheinbar reuige Sünder mit ihrem Eroberern verbünden“. Weigert sagte, er bedaure die Wortwahl. „Der Brief war nicht für die Öffentlichkeit.“ Privat wähle man schon mal drastischere Worte. „Man muss den Brief im Zusammenhang mit der Rede von Weizsäckers zum 8. Mai sehen.“ Weiter wolle er sich nicht äußern

Der Streit um die Wertung des 8. Mai hat in den vergangenen Wochen im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf einige Aufregung hervorgerufen. Mit der Stimmenmehrheit von CDU und FDP hatte die Bezirksverordnetenversammlung einen Beschluss verabschiedet: „Der 8. Mai steht neben der Befreiung vom totalitaristischen Naziregime auch für den Schrecken und das Leid der Bevölkerung, die die Rote Armee von Ostpreußen bis nach Berlin zu verantworten haben.“ Daraufhin eskalierte eine politische Auseinandersetzung, die innerhalb der Berliner CDU eine Krise auslöste.

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