Der Tagesspiegel : Streit um "Momper-Center"

THORSTEN METZNER

POTSDAM .Der Spitzenkandidat der Berliner SPD für die Abgeordnetenhauswahl, Walter Momper, plant in Potsdam den Bau eines Gebäudekomplexes am Havelufer.Im Auftrag bayerischer Investoren will die Momper-Firma Projektentwicklungs-GmbH in der Brandenburger Vorstadt auf einem brachliegenden Grundstück Wohnungen für Senioren, Seeblick-Stadtvillen sowie einen Supermarkt auf 5 000 Quadratmetern Verkaufsfläche errichten.Hinzu kommen kleine Läden und ein Boot-Freizeitmarkt.Am Donnerstag abend verteidigte Momper in Potsdam die Pläne gegen Kritiker, die das Vorhaben als "fürchterlich" bezeichnen.

Walter Momper ist hauptberuflich zu einer Veranstaltung des Potsdamer "Stadtforums" gekommen.Er wirbt für ein Projekt der "Alten Stadtgärtnerei", das der Potsdamer Volksmund "Momper-Center" getauft hat - und das in der Schlösserstadt wie jedes größere Bauvorhaben heftigen Streit hervorruft."Es geht also schon wieder um eine Einkaufsfläche in einer Größe, die diskutiert werden muß", sagt das Potsdamer Stadtoberhaupt Matthias Platzeck.Schließlich ist noch nicht einmal der Streit um den Großeinkaufstempel "Potsdam-Center" ausgestanden, der nicht nur Sanssouci-Generaldirektor Hans-Joachim Giersberg den "Todesstoß" für Potsdams barocke Innenstadt fürchten läßt.Und dort stehen bereits jetzt, wie jemand mahnt, "30 000 Quadratmeter Laden- und Büroflächen" leer.

Noch ein Center? Zwar rät der Berliner Planer Heinrich Suhr mit Blick auf veränderte Kaufgewohnheiten, Potsdam möge seine neuen Center als Realitäten annehmen.Daß man neue bauen sollte, sagt auch Suhr nicht.Es sei allgemein anerkannt, daß es derzeit dafür in der Stadt mit 117 000 Einwohnern keinen Bedarf gebe.

Politprofi Momper schlägt sich trotz des Gegenwindes wacker.Erstens plane man kein riesiges Center.Von Konkurrenz für die Innenstadt könne deshalb keine Rede sein."Sonst wird es woanders gebaut.Im nahen Geltow, in Werder." Er beurteile den Vorschlag der Bürgerinitiative, statt des Supermarktes nur einen kleineren Lebensmittelmarkt zu bauen, als nicht realistisch.

Neue Runde.Saskia Hüneke, Potsdamer Aktivistin gegen das "Potsdam-Center", bezeichnet die Architektur des geplanten Momper-Bauwerkes als "fürchterlich".Momper entgegnet, das Votum der "hochkarätig besetzten Wettbewerbsjury" müsse man akzeptieren.Architekt Siegfried Pieper hatte den Architektenwettbewerb für das "Momper-Center" gewonnen.Er ist in Potsdam kein Unbekannter: im Auftrag des Rathauses wurde von seinem Berliner Büro der umstrittene Bebauungsplan Nummer 37 für das Potsdam-Center ausgearbeitet.

Das "Momper-Center" hat an diesem Abend noch einen Fürsprecher: Stadtbaudirektor Richard Röhrbein, ehemaliger Stadtentwicklungsamtsleiter, der als geistiger Vater des "Potsdam-Centers" gilt.

Da platzt Christian Wendland, Architekt und Denkmalpfleger in Potsdam, der Kragen."Dasselbe haben wir beim Potsdam-Center auch schon gehört.Diese Wachstumsideologie ist doch krankhaft." Was hält eigentlich Potsdams SPD-Stadtoberhaupt von den Bauplänen seines Berliner Parteifreundes? Platzeck ging rechtzeitig, bevor das "Momper-Center" konkret zur Sprache kam.

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