Der Tagesspiegel : Streit um Spendengelder für Ermyas M. Austritte und Differenzen belasten Hilfsverein

Potsdam - Der von dem Deutsch-Äthiopier Ermyas M. gegründete Potsdamer Verein „Löwenherz“ steckt offenbar in der Krise. Vier Gründungsmitglieder haben dem Verein den Rücken gekehrt, darunter Steffi M., seine von ihm getrennt lebende Ehefrau, und eine frühere stellvertretende Vorsitzende. Als Grund für den Streit nennen beide Seiten erhebliche Differenzen, bei denen es auch um Finanzen gehe. So werfen die beiden früheren Vertrauten Ermyas M. vor, gesammelte Spenden bisher nicht wie angekündigt dem Verein zu Verfügung gestellt zu haben. Das Geld liegt offenbar noch auf einem Privatkonto von Ermyas M. Es war gespendet worden, nachdem M. am Ostersonntag 2006 zusammengeschlagen worden war und danach wochenlang im Koma lag. Der Fall löste bundesweites Entsetzen aus, da ein rassistischer Überfall vermutet wurde. Zwei Tatverdächtige wurden Mitte Juni 2007 freigesprochen.

Knapp 50 000 Euro sollen dem Vernehmen nach gespendet worden sein, während Ermyas M. im Koma lag. In dem Aufruf des Vereins „Brandenburg gegen Rechts“ hieß es damals, das Geld solle für „Krankenhauskosten, Rehabilitation, Unterstützung der Familie, Rechtsbeistand“ genutzt werden. Steffi M. aber sagt, ihr Mann habe dafür kein Geld ausgeben müssen. Die Krankenkasse sei für das Krankenhaus und die Reha aufgekommen, die Familie habe „nichts gesehen“ von dem Geld.

Finanziellen Eigennutz wollen die Kritikerinnen Ermyas M. nicht unterstellen, aber er habe den Verein Löwenherz „nicht mit einem Cent“ bedacht, obwohl er dies angekündigt habe. Er hatte den Verein im Oktober 2006 gegründet – für Hilfsprojekte in Afrika und eine bessere Integration von in Deutschland lebenden Migranten.

Für Ermyas M. ist die Frage nach der Verwendung der Spendengelder schwer nachvollziehbar. Das Geld sei ihm „liebevoll gespendet“ worden und nicht dem Verein. Über den Einsatz entscheide er, wie er auch die Folgen des Angriffs allein durchstehen müsse. Knapp die Hälfte der Spenden habe er bisher aufwenden müssen, für seine Genesung und auch für die Anwaltskosten. Der Rest solle, wie von ihm angekündigt, in ein Projekt namens „Gudalema“ fließen, das sechs Dörfer in Äthiopien mit Wasser versorgen soll. Kosten: 250 000 Euro. Von der Mittelbrandenburgischen Sparkasse habe er dabei Unterstützung zugesichert bekommen. Außerdem will Löwenherz eine Partnerschaft zwischen einer Potsdamer Schule und einer in Äthiopien ins Leben rufen.

Inzwischen ist Ermyas M. selbst Vorsitzender des Vereins. Die Hilfe für Afrika sei ihm „nicht nur Lebensaufgabe, sondern auch eine Pflicht“, sagt er. HK/SCH

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