Streubomben : In Brandenburg wird abgerüstet

Wo früher NVA-Raketen instandgesetzt wurden vernichtet heute eine finnische Firma im großen Stil Streubomben der Nato. Über eine Million Stück der hochgefährlichen Munition sollen hier entschärft werden.

Juliane Sommer[ddp]
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Explosiv. Das Innenleben einer Nato-Streubombe. -Foto: dpa

PinnowFür den Job gelten strengste Sicherheitsvorschriften: Die Mitarbeiter der Nammo Buck GmbH im uckermärkischen Pinnow beobachten auf einem Monitor, wie der Sprengstoff allmählich abbrennt. Niemand darf in die unmittelbare Nähe. Die Raketen und deren Sprengköpfe werden hier abgeschirmt hinter Beton und Sicherheitsglas von Maschinen zerlegt. "Das ist zwar aufwendiger als eine Delaborierung per Hand, aber zugleich auch der sicherste Weg", erklärt Geschäftsführer Stefan Urbanek.

In der zum skandinavischen Rüstungskonzern Nammo gehörenden Pinnower Fabrik wird ein Großauftrag der Nato erledigt. In den kommenden drei Jahren sind mehr als eine Million Streubomben zu vernichten. Da diese, anders als Granaten, nicht zweifach,
sondern nur einfach gesichert sind, ist besondere Vorsicht geboten, um schwere Unfälle zu vermeiden.

Jede Rakete enthält über 600 Mini-Bomben

Den Nato-Großauftrag hatte die Nammo Buck Mitte vergangenen Jahres erhalten. Insgesamt sind 51.400 sogenannte MLRS-Raketen (Mehrfach-Raketenwerferartilleriesysteme) zu entsorgen. Jede einzelne dieser Raketen enthält einen Sprengkopf mit mehr als 600 Mini-Bomben. Die Nammo zerlegte zunächst bis zum Jahresende in einer Testphase 1200 Raketen. Außerdem wurden der Treibstoff der Raketen entsorgt und die Bomben unschädlich gemacht.

"Jetzt beginnt die reguläre Produktion", sagt Urbanek. Neue Maschinen mussten angeschafft und die Infrastruktur des Werkes auf den neuen Auftrag umgestellt werden. Die 70 Mann zählende Belegschaft wurde um 21 Mitarbeiter aufgestockt. Es könnten weitere hinzukommen. Immerhin ist ein Umsatz von 31 Millionen Euro mit dem Großauftrag verbunden. "Das bedeutet für uns in den nächsten Jahren eine solide Grundauslastung", betont der Geschäftsführer.

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Verheizt. Ein Mitarbeiter mit Mini-Bomben auf dem Weg zum Verbrennungsofen. -Foto: dpa



"Die Blindgänger bringen riesige Gefahren für die Zivilbevölkerung mit sich"



Bei der Entsorgung des Feststoff-Raketentreibstoffes, der mit Hochdruckwasserstrahlen aus der Rakete ausgeschwemmt und anschließend umweltfreundlich verbrannt wird, kann das Unternehmen auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. In dem einstigen Raketeninstandsetzungswerk der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR in Pinnow wurde nach der Wende die gesamte Raketenmunition der NVA entsorgt und unschädlich gemacht. "Auf fast die gleiche Weise wird auch der Treibstoff aus Nato-Raketen entfernt", sagt Urbanek. Die Sprengköpfe werden dabei unter strengsten Sicherheitsbedingungen zerlegt. Die darin enthaltenen Streubomben werden geöffnet und der Sprengstoff in der Brennkammer anschließend kontrolliert abgebrannt.

Die Nato verabschiedet sich derzeit allmählich von diesem Waffensystem der 1980er Jahre. "Die Versagerquote der Mini-Bomben ist relativ hoch. Die Blindgänger bringen riesige Gefahren für die Zivilbevölkerung mit sich", erklärt Urbanek. Doch in 14 Nato-Ländern gehöre diese Rakete noch zur Standard-Bewaffnung und sei in großer Stückzahl vorhanden.

Der Auftrag von Nammo Buck umfasst bislang lediglich Waffenbestände aus Großbritannien und den Niederlanden. Die Chance, lukrative Nachfolge-Aufträge zu erlangen, sei also groß. "Zumal dann, wenn wir diesen Auftrag sicher abarbeiten, in der Technologie Erfahrung sammeln und auch den notwendigen Maschinenpark dafür zur Verfügung haben", sagt Urbanek.

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