Strompreis-Welle : "Da können wir nichts machen"

Insgesamt 67 inländische Stromversorger haben Preiserhöhungen zum 1. Juli angekündigt - Und es werden mehr. Politiker raten offen zum Anbieterwechsel.

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Osnabrück/DüsseldorfDie drohende Strom-Preiswelle zur Jahresmitte stößt weiterhin auf massiven Protest von Verbraucherschützern und Politikern. Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, riet Stromkunden, ernsthaft über einen Anbieterwechsel nachzudenken. In einem Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte Kurth, dies sei sinnvoller als sich über die Preissteigerungen aufzuregen. Oft genüge es sogar, dem angestammten Anbieter seine Wechselabsicht mitzuteilen, um einen günstigeren Tarif angeboten zu bekommen.

Die Hotlines der Stromanbieter
Die Hotlines der Stromanbieter.Grafik: TSP


Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte der "Welt am Sonntag", die Kunden sollten "die Preise genau vergleichen und zum günstigsten Anbieter wechseln". Bisher haben 67 inländische Stromversorger Preiserhöhungen zum 1. Juli angekündigt, wenn die Tarife von den Bundesländern nicht mehr genehmigt werden müssen.

Eon und RWE planen nachzuziehen

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" planen auch die beiden großen Energiekonzerne Eon und RWE Strompreiserhöhungen. Eon wolle die Stromtarife nach bisheriger Planung zum September an die "gestiegenen Beschaffungspreise" anpassen. Bei großen RWE-Regionalgesellschaften zeichne sich ein ähnlicher Termin ab, hieß es. Die Höhe sei dabei noch unklar. Keinesfalls, so zitiert "Der Spiegel" RWE-Manager, werde die vom Konkurrenten Vattenfall in Berlin und Hamburg vorgegebene Marke von rund sieben Prozent erreicht.

Die Darstellung des "Spiegel" bezeichnete ein RWE-Sprecher als "reine Spekulation". Es gebe zu Strompreiserhöhungen zur Zeit weder Beschlüsse noch konkrete Planungen. Er fügte hinzu: "Wir wissen noch nicht, wie sich die Situation im Spätsommer entwickeln wird. Akuten Handlungsbedarf sehen wir jetzt daher noch nicht."

Ein Sprecher des Eon-Konzerns wies den Bericht ebenfalls zurück: "Eon hat keine Entscheidung zu einer Strompreisanpassung getroffen. Zum 1. Juli bleiben unsere Preise konstant", sagte er. Das Unternehmen werde die Marktentwicklung beobachten. Derzeit könnten keine Aussagen zur zur Entwicklung der Strompreise im zweiten Halbjahr gemacht werden.

"Mehr Wettbewerb nötig"

Bei der aktuellen Preisrunde der Stromversorger beobachtet das Bundeskartellamt zwar die Entwicklung, ist aber noch nicht aktiv. "Im Moment kündigen die Unternehmen Preiserhöhungen an, setzen sie aber noch nicht um. Da können wir nichts machen", sagte eine Sprecherin der Behörde dem Tagess

Stromzaehler
Experten raten den Anbieter zu wechseln. -Foto: dpa

piegel. Ohnehin könne das Kartellamt nur tätig werden, wenn es Hinweise auf einen Missbrauch der marktbeherrschenden Stellung gebe. "Eine Preiserhöhung allein reicht dafür nicht aus."

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Ulrich Kelber, forderte Zwangsmaßnahmen gegen die großen Energiekonzerne. "Damit die Verbraucher günstigere Tarife bekommen, ist vor allem mehr Wettbewerb nötig. Die Gesetzgebung sollte erzwingen, dass der Marktanteil von Vattenfall, RWE, Eon und EnBW kleiner wird", sagte Kelber der "Welt am Sonntag".

Grünen-Chef Reinhard Bütikofer macht den Stromkonzernen schwere Vorwürfe. "Die unverschämte Abzocke der Energiekonzerne sollten die Verbraucher sich nicht gefallen lassen", sagte Bütikofer. Sie sollten sich wehren, indem sie den Stromanbieter wechseln. "Beziehen Sie in Zukunft Ökostrom, dann tun Sie gleichzeitig etwas fürs Klima", sagte Bütikofer. (mit dpa)

Stromtarife
Die Stromtarife ausgewählter Anbieter in Berlin.Grafik: TSP