Strompreise : "Bringschuld gegenüber den Verbrauchern"

Wie entstehen die Strompreise? Der Präsident der Bundesnetzagentur sieht die Konzerne in der Pflicht, den Verbrauchern gegenüber detailliert offenzulegen, warum die nächste Erhöhung gerechtfertigt ist.

BonnDie Bundesnetzagentur hat von den Energiekonzernen mehr Transparenz bei ihrer Preisgestaltung gefordert. "Die Branche hat hier eine Bringschuld gegenüber den Verbrauchern und trotz mancher Ankündigungen vermisse ich bisher eine detaillierte Herleitung der Bezugs- und Beschaffungskostenentwicklung im vergangenen Jahr", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth. Pauschale Hinweise auf die Volatilität der Strombörsenpreise oder die Erhöhung der Weltmarktpreise für Öl und Gas seien keinesfalls ausreichend.

Kurth beklagte beim Zustand der Strom- und Gasmärkte Defizite wie mangelnde Transparenz, den nicht ausreichenden Ausbau des Kraftwerkparks und der Leitungsnetze sowie die starke Konzentration auf der Anbieterseite. Zur Verbesserung des Wettbewerbs forderte er ein "Gesamtkonzept zahlreicher koordinierter Maßnahmen". Er warnte vor der Vorstellung, mit einer einzigen Maßnahme könnten alle Schwierigkeiten beseitigt werden. Eine wichtige Voraussetzung für Wettbewerb und funktionierenden Handel sei die Schaffung eines ausreichenden "Überangebots" beim Strom durch Zubau von Erzeugungs- und Leitungskapazität.

Steigende Preise trotz Senkung der Netzentgelte

Dem vorgelegten Monitoringbericht zufolge hat sich der Anteil der Stromnetzentgelte am Strompreis für Haushaltskunden durch das Eingreifen der Regulierungsbehörden von 38,6 Prozent auf 31,5 Prozent verringert. Zum Stichtag 1. April 2007 seien die durchschnittlichen Netzentgelte für Haushaltskunden innerhalb eines Jahres von 7,3 Cent pro Kilowattstunde auf 6,3 Cent pro Kilowattstunde gesunken. Das habe zwar zu einer Dämpfung des Preisanstiegs geführt, nicht aber zu einer Preisreduzierung, sagte Kurth. Im Berichtszeitraum seien die Strompreise im Haushaltsbereich im Mittel um etwa sechs Prozent, die Gaspreise um rund 1,8 Prozent erhöht worden.

Das Netzentgelt ist für die bereitgestellten Netze der einzelnen Übertragungsnetzbetreiber zu entrichten. Für Haushaltskunden macht der Netzentgelt-Anteil nunmehr am Strompreis weniger als ein Drittel aus. Die Stromendpreise setzen sich aus mehreren weiteren Bestandteilen zusammen. Dazu gehören die Kosten für den Bezug (etwa Erdgasförderung, Stromerzeugung, Beschaffung und Vertrieb) sowie Steuern und Abgaben. (mit dpa)