Der Tagesspiegel : Studenten-Boom belastet Hochschulen

Thorsten Metzner

Rekordandrang an Brandenburgs Hochschulen: An den Universitäten und Fachhochschulen haben sich zum Wintersemester 2001/2002 rund 34 150 Studenten eingeschrieben, 1700 Studierende mehr als im Vorjahr - und so viele, wie nie zuvor. Die frohe Botschaft, die Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) gestern verkündete, birgt aber Brisanz: Die Finanzierung der Hochschullandschaft, deren "Überlastung" das Wissenschaftsministerium stets beklagt hatte, hält mit dem auch im Vergleich zu anderen Bundesländern hohen Zuwachs objektiv nicht Schritt. Brandenburg ist immer noch Deutschlands Schlusslicht bei den Wissenschaftsausgaben, obwohl Wanka immerhin im Haushaltsentwurf 2002/2003 erstmals eine Aufstockung um zehn Millionen Mark auf dann 530 Millionen Mark durchsetzen konnte. Allerdings stehen den im Vorjahr 32 400 und nunmehr 34 000 Studierenden nur 26 000 Studienplätze gegenüber. Erst bis zum Jahr 2007 soll das Netz nach der jüngst verabschiedeten neuen Hochschul-Entwicklungsplanung auf 29 500 Studienplätze ausgebaut werden. Ihr ursprüngliches Ziel von bis zu 33 000 Studienplätzen hatte Wanka im Kabinett nicht durchboxen können - obwohl der Bedarf vorhanden ist, wie die jüngste Entwicklung zeigt. Dennoch kann sich die Ministerin bestätigt sehen: Der unerwartet hohe Andrang an den hiesigen Hochschulen übertrifft sogar die bisherigen Prognosen der wissenschaftlichen Institute, die im Kabinett bei der Debatte um die Hochschulfinanzierung teilweise als "zu optimistisch" angesehen worden waren. So ließ Wanka denn auch keinen Zweifel daran, dass die Hochschulausgaben Brandenburgs in den kommenden Jahren "auf jeden Fall" weiter steigen müssen. Noch ermittelt wird, woher der Zuwachs an Studenten kommt. Ministerium und Rektorenkonferenz hatten immer wieder auf einen alarmierenden Trend hingewiesen: Auch wegen Studienplatzmangels in Brandenburg wandern bis zu 60 Prozent der Abiturienten ab. Brandenburg, so hieß es in einer Kabinettsvorlage Wankas vom Mai, gerate beim "Studierendenexport" in eine "Extremsituation".

0 Kommentare

Neuester Kommentar