Studie : Verbraucher zahlen bei Bio gerne drauf

Bio boomt: Die Verbraucher haben ein hohes Vertrauen in ökologisch angebaute Lebensmittel und sind gerne bereit dafür tief in den Geldbeutel zu greifen. Doch in punkto Marken gibt es kaum Durchblick.

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Bei Bio-Produkten zahlen Verbraucher auch mal mehr. -Foto: dpa

DüsseldorfMehr als drei Viertel der Verbraucher (78 Prozent) sind grundsätzlich bereit, für Bio-Lebensmittel mehr Geld auszugeben als für herkömmliche Produkte. Das hat eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young ergeben. Demnach sind 38 Prozent der 1000 repräsentativ Befragten sogar bereit, Preisaufschläge von mehr als zehn Prozent hinzunehmen. Trotzdem greifen nur 37 Prozent der Konsumenten beim Einkauf häufig oder immer zu Bio-Waren. Gründe seien vor allem ein noch zu knappes Angebot sowie eine unklare Vorstellung darüber, was "Bio" eigentlich bedeutet.

Die Vermischung von Begriffen sowie die zahlreichen verschiedenen Bio-Siegel bewirkten, dass viele Verbraucher nur ein diffuses Bild vom Thema hätten, sagte Peter Schommer, Partner bei Ernst & Young. 82 Prozent der Befragten verbinden mit "Bio" gesunde Ernährung und 70 Prozent artgerechte Tierhaltung und Artenschutz. Rund zwei Drittel der Verbraucher erwarten von Bio-Produkten gute Nährwerte und Umweltschutz, ein Drittel geht davon aus, dass bei der Herstellung Energie gespart wird.

Keine Marken im Bio-Segment etabliert

Auf die Frage nach einer Bio-Marke wurde nur der Anbauverband Demeter von mehr als zehn Prozent der Befragten genannt. "Das zeigt, dass sich im Bio-Segment noch keine Marken wirklich etabliert haben", sagte Schommer. Hier liege eine große Chance für Handel und Hersteller. Doch obwohl 59 Prozent der 24 für die Studie befragten Handelsunternehmen angaben, dass das Thema "Bio" für ihre strategische Ausrichtung von großer Bedeutung ist, will nur ein Drittel von ihnen das Marketing dafür verstärken.

Das Interesse an Bio-Produkten zieht sich der Studie zufolge durch alle Einkommensgruppen. Eine gerade veröffentlichte Verbraucherumfrage der Stiftung Nature & More ergab überdies, dass Einkommen, Alter und Geschlecht die Kaufentscheidung für Bio-Produkte weniger beeinflussen als vielmehr die Identifikation mit bestimmten Gruppen wie Umweltschützern.

Große Wechselbereitschaft

Der Bio-Markt hat nach Einschätzung von Ernst & Young ein erhebliches Wachstumspotenzial. "Es ist vorstellbar, dass der Marktanteil von derzeit unter zehn Prozent auf 30 Prozent im Jahr 2020 steigt", sagte Schommer. Laut Umfrage ist die Bereitschaft der Verbraucher, zu Bio-Produkten oder -Händlern zu wechseln, groß. Die besten Chancen auf neue Kunden hätten demnach Bio-Supermärkte. Allerdings ist den Verbrauchern sehr wichtig, dass der Laden sich in ihrer Nachbarschaft befindet: Für mehr als die Hälfte der Befragten ist ein Händler mit Bio-Angebot nur dann eine Alternative, wenn er nicht weiter als fünf Kilometer von ihrem Zuhause entfernt ist.

Im Jahr 2006 hat die Bio-Branche ihren Umsatz nach Angaben des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro gesteigert. Die Marktforscher ACNielsen, die allerdings nur einen Ausschnitt der Warenbereiche beobachten, sehen für das erste Halbjahr 2007 gegenüber dem Vorjahreszeitraum eine Umsatzsteigerung von 41 Prozent bei Bioprodukten. (mit dpa)