Der Tagesspiegel : Studien: Chipfabrik nicht rentabel Bund will 600-Millionen-Bürgschaft nicht genehmigen

Michael Mara

. Das bekannte US-Marktforschungsunternehmen Gartner hält das derzeitige Konzept für die Chipfabrik in Frankfurt (Oder) für unrealistisch. Nach Tagesspiegel-Informationen sieht das Institut nur Chancen für das 1,3-Milliarden-Projekt, wenn an den Planungen der Communicant AG wesentliche Abstriche vorgenommen werden und eine Marktanpassung erfolgt. Das geht aus dem derzeit noch geheimen Gutachten hervor, das Gartner im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums über die Marktchancen des Projekts erstellt hat.

Zwar gehen die Marktforscher von einer Erholung des Halbleiter-Marktes in den nächsten Jahren aus. Doch bedient Communicant nach ihrem Urteil mit seiner Technologie nur einen kleinen Spezialmarkt, auf dem keine steigende Nachfrage zu erwarten ist. Laut Gartner müssen das prognostizierte Gesamtmarktvolumen wie auch der eigene Marktanteil nach unten korrigiert werden, da der Zielmarkt kleiner als angenommen sei. Die Marktforscher verweisen auch darauf, dass sich Communicant als Newcomer gegen eine etablierte Konkurrenz mit verbesserten Technologien behaupten müsse. Der bisher prognostizierte Vorteil der vom Institut für Halbleiterphysik (IHP) in Frankfurt für Communicant entwickelten Chip-Technologie ist nach dem Gutachten nicht mehr gegeben.

Gartner geht außerdem davon aus, dass der Produktionsbeginn wegen der eingetretenen Bauverzögerung in eine Zeit abgeschwächter Nachfrage fallen wird. Dann werde es Überkapazitäten bei den Firmen geben, die wie Communicant für Dritte produzieren. Auch die Ausschussquoten sind laut Gartner zu gering angesetzt. Hohe Risiken für die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Chipfabrik sieht auch das ebenfalls von der Bundesregierung beauftragte Wirtschaftsprüfungsunternehmen PwC Deutsche Revision. Wie der Tagesspiegel erfuhr, will der Bund die 600-Millionen-Euro-Bürgschaft daher nicht genehmigen.

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