Studienreform : Europa berät über den Bachelor

Politiker diskutieren, wie die Schwächen der Studienreform angegangen werden können

Am Dienstag beginnen Vertreter aus 46 europäischen Ländern im belgischen Leuven mit ihren Beratungen über den Bologna-Prozess. Es ist die fünfte Folgekonferenz nach dem Treffen im Jahr 1999 in Bologna. Damals hatten die Hochschulminister von 29 Ländern beschlossen, bis 2010 einen einheitlichen europäischen Hochschulraum zu schaffen. Im Mittelpunkt stand dabei die Einführung der Studienabschlüsse Bachelor und Master. Den Politikern gehe es bei ihrem zweitägigen Treffen vor allem um einen Erfahrungsaustausch, der helfen solle, Akzente für die Entwicklung bis zum Jahr 2020 zu setzen, sagte Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz auf Anfrage. Olbertz leitet die deutsche Delegation.

Nachdem die Deutschen den Großteil ihrer Studiengänge umgestellt hätten, müssten sie die Schwächen angehen, sagte Olbertz. So seien die Inhalte im Bachelor häufig zu sehr verdichtet worden, die berufsqualifizierenden Aspekte kämen oft zu kurz. Die Studierenden sollten ermutigt werden, ihren Professoren Rückmeldung über die Programme zu geben und so zur Verbesserung beizutragen. Mobilität müsse attraktiv sein.

Peter Gaehtgens, Mitglied im Vorstand der European University Association (EUA), sagte, nicht nur in Deutschland, auch in anderen Ländern Europas gebe es Widerstand gegen die Reform. So wehrten sich die Franzosen gegen eine „schleichende Ökonomisierung der Hochschulen“. Viele Wissenschaftler sähen im Bologna-Prozess auch einen Eingriff in die Autonomie der Hochschulen, die zu einer Entmachtung der Basis führe. Allerdings sei das Ziel des Bologna-Prozesses oft falsch ausgelegt worden. (akü)

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