Studium : Richtig bewerben: Wie Abiturienten an die Uni kommen

Wer ab dem kommenden Wintersemester studieren will, muss sich in den nächsten Wochen bewerben. Die Hochschulen rechnen mit mehr als 350 000 Studieninteressierten, davon scheiden jedoch jedes Jahr Tausende aufgrund von Fehlern in der Bewerbung aus. Wie macht man es richtig?

Tina Rohowski
Studenten
Warten auf das Studium. Die Hochschulen rechnen mit mehr als 350.000 Studieninteressierten für das nächste Semester. -Foto: imago

Wann man sich bewirbt



Das kommt darauf an, wann Bewerber ihr Abitur abgelegt haben. Für Studienbewerber, die ihr Zeugnis erst 2009 erhalten, läuft die Frist bis zum 15. Juli dieses Jahres. Wer schon 2008 oder sogar früher das Abitur bestanden hat, muss sich bei der ZVS auf einen früheren Stichtag (31. Mai) einstellen. Bewerbungen müssen prinzipiell jedoch nur für Studiengänge eingereicht werden, die mit einem Numerus clausus (NC) belegt sind. An den Berliner Universitäten betrifft das mittlerweile alle Fächer, während es etwa in Brandenburg noch zahlreiche NC-freie Angebote gibt. Für Studiengänge ohne NC findet kein Auswahlverfahren statt. Man kann sich – unabhängig von der Abiturnote – bis zum 1. Oktober dieses Jahres einschreiben.

Wo man sich bewirbt

Entweder direkt bei der Hochschule oder bei der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) – darüber entscheidet das gewünschte Studienfach. Die ZVS ist bundesweit verantwortlich für Bewerber, die Medizin, Pharmazie, Zahnmedizin, Veterinärmedizin oder Psychologie als Diplomfach studieren wollen. Außerdem lassen einige Hochschulen die Plätze für einzelne Fächer über die ZVS vergeben – das gilt etwa für Architektur oder Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Berlin. Eine Liste mit allen betroffenen Studiengängen findet sich auf den Internetseiten der ZVS. Für alle anderen Fächer melden sich Bewerber direkt bei ihrer Wunschhochschule. Ein neues vereinheitlichtes Bewerbungsverfahren für viele Studienfächer über die ZVS soll es erst zum Wintersemester 2011/2012 geben.

Was alles online läuft – und was nicht

Sowohl die ZVS als auch die Hochschulen betreiben Onlineportale. Dort loggen sich Bewerber ein, um das Wunschfach oder Angaben zum Lebenslauf einzutragen. „Wenn eine Antwort vergessen wurde oder unlogisch ist, erscheint ein Fehlerhinweis im Formular“, erklärt Hans-Peter Kaluza, Sprecher der ZVS. Bewerber sollten sich ihre Zugangsdaten notieren, rät Kaluza. Dann können sie während der Antragsfrist immer wieder einloggen und die Daten vervollständigen oder ändern. Zusätzlich zu den Onlineformularen brauchen die ZVS und die Unis Unterlagen in Papierform. In den Portalen steht ein Anschreiben zum Download bereit, das die Bewerber ausdrucken und unterschreiben müssen. Es wird zusammen mit einer beglaubigten Kopie des Abiturzeugnisses an die Uni geschickt. Genau daran scheitern aber etliche Bewerber: „Beglaubigungen sind nur gültig, wenn sie von Behörden stammen, die ein Dienstsiegel führen“, erklärt Cynthia Schwarz, studentische Studienberaterin an der FU Berlin. Teils reichten Studieninteressierte Kopien ein, die von der Krankenkasse oder einer Bank beglaubigt wurden. „Solche Anträge bearbeiten wir gar nicht. Jedes Jahr fallen dadurch viele Bewerber sofort raus.“

Wie viele Bewerbungen erlaubt sind

Im Internetportal einer Hochschule kann man sich nur für einen Studiengang bewerben. Zudem ist ein sogenannter Hilfsantrag möglich, der geprüft wird, wenn die erste Wahl nicht zum Erfolg führt und im Zweitfach noch Plätze frei sind. Es nütze auch nichts, die Onlinemaske zehn Mal mit unterschiedlichen Wunschfächern zu füllen und abzuschicken, sagt FU-Beraterin Cynthia Schwarz. Fast alle Unis bearbeiten nämlich nur den jeweils letzten Antrag, der eingegangen ist. Sie habe es deshalb immer wieder mit Studieninteressierten zu tun, die sich die Chance auf ihr eigentliches Wunschfach mit eilig hinterhergeschickten Zusatzanträgen verbauten. Auch bei der ZVS dürfen Bewerber nur für eines der fünf bundesweit betreuten Fächer einen Antrag einreichen. Sie können jedoch mehrere Studienorte auf einer Präferenzliste angeben. Trotzdem gilt: Gleichzeitige Bewerbungen an mehreren Universitäten sind nicht nur erlaubt, sondern sogar üblich.

Wie man die Chancen auf einen Studienplatz verbessert

Der Numerus-clausus-Wert aus den vergangenen Jahren ist ein Hinweis darauf, wo sich eine Bewerbung mit dem eigenen Abiturschnitt überhaupt lohnt. „Drastisch ändern sich die Werte meist nicht“, sagt FU-Beraterin Cynthia Schwarz. Wer sich an der ZVS bewirbt, muss die Auswahlkriterien der Universitäten beachten. Manche Hochschulen prüfen nur Anträge von Bewerbern, die den Studienstandort als erste Wahl angeben. Andere sortieren sofort alle Kandidaten aus, deren Abiturnote schlechter als 2,3 war. „Letztes Jahr hatten wir etwa 2000 Bewerber, die nicht richtig gelesen haben und gleich rausgeflogen sind“, sagt Hans-Peter Kaluza von der ZVS. Allerdings können Hochschulen ihre Kriterien im Laufe der Bewerbungsfrist ändern. Die ZVS veröffentlicht im Internet regelmäßig aktualisierte Listen, außerdem erhalten registrierte Bewerber eine E-Mail, wenn neue Auswahlregeln gelten.

Wann ein Praktikum nötig ist – und wie man das richtige wählt

Vor allem von Fachhochschulen wird in vielen Fächern ein Vorpraktikum verlangt, das mindestens drei Monate dauert. Den Praktikumsplatz müssen Bewerber selbst organisieren. Aber nicht jede Arbeit wird anerkannt: „In den Studienordnungen der Fächer steht, in welchen Branchen das Praktikum absolviert werden sollte“, sagt Jörg Schlingheider, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin und Praktikumsbeauftragter im Bereich Fahrzeugtechnik. Die Hochschulen empfehlen zwar, das gesamte Praktikum vor Studienbeginn zu absolvieren, weil danach wenig Zeit bleibe. Pflicht ist das jedoch nicht immer. Oft muss nur ein Großteil des Praktikums – an der HTW zum Beispiel neun von 13 Wochen – vor dem Studienstart liegen. Der Rest wird während des Studiums nachgeholt. Wer das Praktikum bis zum Ende der Bewerbungsfrist nicht vollständig absolviert, kann der Hochschule ein Zwischenzeugnis oder einen Arbeitsvertrag vorlegen. Mit einer Berufsausbildung im einschlägigen Fachgebiet brauchen Bewerber kein Vorpraktikum.

Wer am Eignungstest teilnehmen muss

Wer ein künstlerisches Fach studieren will, kommt um eine Eignungsprüfung nicht herum. Um am Test teilnehmen zu können, müssen sich Bewerber allerdings sehr früh bei der Hochschule anmelden. Die Stichtage liegen bis zu einem Jahr vor dem Studienstart. Ebenfalls Pflicht sind Tests vor dem Sprachenstudium, beispielsweise für die Fächer Englische Philologie oder Nordamerikastudien an der FU Berlin. „Zu solchen Tests werden die Kandidaten automatisch eingeladen, nachdem sie ihre Bewerbung geschickt haben“, sagt Cynthia Schwarz von der FU-Studienberatung. Standardisierte Studierfähigkeitstests, die in den letzten Jahren die FU sowie die Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) einsetzten, wurden zumindest in Berlin inzwischen wieder abgeschafft.

Was Bewerber im Auswahlgespräch erwartet

Privathochschulen und beliebte Fachbereiche an staatlichen Hochschulen setzen immer häufiger Auswahlgespräche ein, um ihre Studienplätze zu verteilen. Die Kommission erwarte, dass sich Bewerber genau über das Studienprogramm informiert haben, sagt Wolfram Hahn, Geschäftsführer des Verbands der Privaten Hochschulen. „Wir fragen vor allem nach der Motivation. Warum dieses Fach? Warum diese Hochschule?“, erklärt Hahn, der seit Jahren als Kommissionsmitglied an Auswahlgesprächen teilnimmt. Kandidaten müssten „keine wissenschaftlichen Expertenfragen“ beantworten, sagt Antje Kießig vom Studienbüro der HWR in Berlin, die im Bachelor International Business sowie Management International Auswahlgespräche einsetzt. „Aber sie sollten Zeitung lesen und wissen, was in der Wirtschaft gerade aktuell ist.“

Wie man Fehler ausbügelt

Wichtig im Vorfeld: Die Telefonnummer im Antrag nicht vergessen! „Wir versuchen, bei den Bewerbern anzurufen, falls Unterlagen fehlen“, sagt FU-Beraterin Cynthia Schwarz. Allerdings sei das nur bei frühzeitigen Bewerbungen möglich. Anträge solle man deshalb am besten schon zu Beginn der Frist schicken. Nach Ablauf kann man sich telefonisch melden, wenn etwas schiefgegangen ist. Die ZVS empfiehlt, regelmäßig ins E-Mail-Postfach zu schauen: Sie schickt eine Nachricht, falls es Probleme gibt. ZVS-Bewerber können sich außerdem in den zwei Wochen nach dem Stichtag – also maximal bis zum 31.7.2009 – ins Portal einloggen und Fehler korrigieren. Studienfach oder -ort lassen sich dann aber nicht mehr ändern.

Mehr im Internet:
www.zvs.de/service/zvs-info.htm
www.hochschulkompass.de/kompass/xml/download/fristenliste_hrk.pdf.
www.studieren-in-bb.de/ich-will-einen-studienplatz

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