Sven Petke : Der große Unbekannte

Sven Petke will über Teltow-Fläming in den Landtag. Welche Pläne hat der umtriebige CDU-Vize?

Thorsten Metzner
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Unauffällig. Sven Petke (links) konzentriert sich auf seinen Wahlkreis. Spitzen gegen Jörg Schönbohm gab es trotzdem. F: pa/dpadpa-Zentralnild

LuckenwaldeDas musste mal gesagt werden! Die 18 Rentner, die sich im Seniorentreff der „Volkssolidarität“ in Luckenwalde versammelt haben, um den Landtagskandidaten auf den Zahn zu fühlen, nicken unisono. Jawohl! Soeben fiel nämlich der unter Ostdeutschen beliebte Spruch, dass das Bildungssystem der DDR, „mal von der Politik abgesehen“, besser als das heutige gewesen sei. Es ist Sven Petke, Jahrgang 1967, der Jüngste auf dem Podium, aufgewachsen in der „Wilhelm-Pieck-Stadt“ Guben, der dagegenhält: Er erzählt, wie er nach der Wende zum Studium nach Düsseldorf ging, dort feststellte, dass seine Englischkenntnisse begrenzt waren. Er erinnert daran, dass vor 1989 nur jedes zehnte Kind Abitur machte. „Heute ist es jedes Dritte. Ich bin stolz darauf, dass uns das gelungen ist.“ Später, als es um Wirtschaft und Finanzen des Landes geht, legt er sich nicht weniger ins Zeug: Er sei froh, dass Brandenburg so einen „durchsetzungsstarken Finanzminister“ habe, dass es „den Regierungen Merkel und Platzeck“ gelungen sei, die Arbeitslosigkeit deutlich zu senken. Da murrt mancher.

Nanu, dieser sympathische, jungenhafte Typ soll Sven Petke sein, der Mann mit dem Ruf des Bösewichts der brandenburgischen CDU? Der Ex-Generalsekretär, der einst über eine unappetitliche E-Mail-Affäre stürzte, der vor zwei Jahren beinahe Parteivorsitzender geworden wäre? Fest steht, er ist der Christdemokrat, über dessen Einfluss und Motive in der Union dieser Tage in Potsdam alle rätseln: Will er die Partei nach der Landtagswahl in die Opposition treiben? Er ist der große Unbekannte im Posten-Poker bei der Neuauflage eines rot-schwarzen Bündnisses, die wahrscheinlicher wird.

Seit Monaten war Sven Petke von der Bildfläche verschwunden. Still war es um ihn geworden, nachdem Wissenschaftsministerin Johanna Wanka den Parteivorsitz von Ulrich Junghanns übernommen hatte. Viele hatten es ihm nicht zugetraut, Petke reihte sich ein, von ein paar Spitzen gegen das von Jörg Schönbohm geführte Innenministerium abgesehen.

Er konzentriert sich seitdem auf seinen neuen Landtagswahlkreis in Teltow-Fläming. Die Familie, Ehefrau ist Bundestagsspitzenkandidatin Katherina Reiche, zog mit den drei Kindern aus Potsdam dorthin. Es ist für ihn auch der Versuch, die Chance eines Neuanfangs, der in seinem langjährigen Wahlkreis, im „roten Potsdam“, gar nicht möglich wäre. Der Petke auf dem Lande ist ein anderer als der frühere Polarisierer. Er kümmert sich, setzt sich ein – mal für einen Spielplatz, mal gegen die Versetzung von Lehrern, mal für eine bessere Bahnanbindung. Er fährt regelmäßig selbst zu Auswärtsspielen des FSV 63 Luckenwalde mit. „Es ist ein anderes, ein bodenständigeres Arbeiten als im politisch aufgeheizten Potsdam.“ Und selbst die Konkurrenz registriert, wie fleißig und umtriebig er ist. Was am 27. September rauskommt? Favoritin ist die Linke Cornelia Wehlan, die 2004 das Direktmandat holte, Sieglinde Heppener von der SPD ist stark, Petke wagt keine Prognose. „Ich bin unsicher.“

Seine Ambitionen auf Landesebene? Hartnäckig hält sich die Vermutung, dass er Justizminister werden will. Oder vielleicht doch Fraktionschef? Egal, für welchen Posten er gehandelt wird: In der SPD sitzt das Misstrauen gegen Petke, das er sich als scharfzüngiger Provokateur erarbeitet hat, tief. Sein Problem ist, dass man ihm alles zutraut. Freilich, hört man genauer hin, bewegt sich da offenbar inzwischen etwas. Ein Ausschlussgrund, heißt es neuerdings, sei die Personalie nicht. Regierungschef Matthias Platzeck hat Sven Petke auf den Zahn gefühlt. Es gab ein Vier-Augen-Gespräch, über das beide eisern schweigen.

Man darf aber sicher sein, dass Petke nicht den Eindruck vermittelt hat, dass er Unruhe stiften will, dass es ihn gar auf die Oppositionsbank drängt. Dafür ist der Vize-Parteichef zu karrierebewusst, zu clever, zu anpassungsfähig. Da gibt es andere in der Union, die unberechenbarer sind. Fragt man ihn, wie es nach der Wahl mit der CDU, mit ihm persönlich weitergeht, antwortet er mit einem Satz: „Das werden wir dann gemeinsam entscheiden.“ Sven Petke wird ein Wörtchen mitreden. Thorsten Metzner

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