Der Tagesspiegel : Symbol fürs deutsche Freiheitsdenken Nationaldenkmal zum 9.11.1989 in Berlin geplant

Bernhard Schulz

Einst stand ein Reiterdenkmal Kaiser Wilhelms I. am Rande des Schlossplatzes, nun soll das „Nationale Freiheits- und Einheitsdenkmal“ den leeren Sockel zieren. Dafür kämpft federführend die Deutsche Gesellschaft, ein im Januar 1990 unter anderem von Willy Brandt und Lothar de Maizière gegründeter Bürgerverein, der die diversen Vorstöße zu einem solchen Denkmal bündelt. Der 20. Jahrestag des Mauerfalls rückt näher – so nahe, dass ein fertiges Denkmal 2009 schon nicht mehr zu erwarten ist. Bestenfalls könnte an diesem 9. November der Grundstein gelegt werden. Gestern erläuterte die Initiative ihr weiteres Vorgehen. Nachdem sich ein überparteilicher Antrag von 171 Abgeordneten des Deutschen Bundestages bereits im Jahr 2000 zustimmend zu einem solchen Denkmal geäußert hatte, soll nun ein vollgültiger Plenumsbeschluss im Herbst die Weichen stellen. Anschließend könnte ein Ideenwettbewerb die möglichen Formen – und auch die fälligen Kosten – eines Denkmals ermitteln.

Warum Berlin und nicht etwa die „Heldenstadt“ Leipzig? Weil, so Jürgen Engert, Berlin „die Bühne“ sei: „Hier kommen die Deutschen her und erfahren die Hauptstadt und damit ihre Identität.“ Das Denkmal – so Florian Mausbach, Chef der Bundesbaubehörde – müsse sich „an eine breite Öffentlichkeit wenden“ und „sinnlich erfahrbar“ sein. Ein Denkmal der Freude wird gesucht, für die „einzige geglückte deutsche Revolution“. Themenvorgabe für den Wettbewerb, so Mausbach lapidar, könnten daher nur die beiden aufeinanderfolgenden Parolen sein: „Wir sind das Volk! Wir sind ein Volk!“

Eine breite Diskussion in der Bevölkerung soll das Vorhaben voranbringen. Am morgigen Donnerstag findet in der Berliner Nikolaikirche ein Hearing mit Egon Bahr und Günter Nooke zum Thema statt: „Was sollte ein Freiheits- und Einheitsdenkmal versinnbildlichen?“ (Berlin Mitte, Nikolaikirchplatz, 14. Juni, 18 Uhr) Die Frage ist im Grunde längst beantwortet. Ausdrücklich, so die Initiatoren, soll es kein allgemeines Freiheitsdenkmal „ab 1848“ werden, sondern an den 9. November 1989 und die deutsche Einheit erinnern. Das Brandenburger Tor, weltweit bekanntes Sinnbild der Maueröffnung, sei zu vieldeutig, so Mausbach; schließlich wurde es als Siegestor Preußens errichtet. Am anderen Ende der via triumphalis Unter den Linden stünde künftig also das Einheitsdenkmal vor dem Humboldt-Forum. „Dieses Denkmal würde gut zur Umwidmung des Schlosses zum Humboldt-Forum passen“, schrieb Denkmalsverfechter Richard Schröder im Tagesspiegel (10. Mai): „Weltoffenheit und Patriotismus passen zusammen.“ Die Diskussion ist eröffnet. Bernhard Schulz