Syrien : "Grober Verstoß gegen das Völkerrecht"

Syrien hat beim Weltsicherheitsrat schriftlich gegen das Eindringen israelischer Kampfflugzeuge in seinen Luftraum protestiert. Berichten zufolge wollten die Jets möglicherweise einen syrischen Waffentransport für die libanesische Hisbollah-Miliz angreifen.

New York/Washington/Tel Aviv Der Vorgang vom vergangenen Donnerstag sei "ein grober Verstoß gegen das Völkerrecht" und könnte "ernsthafte Konsequenzen" nach sich ziehen, warnte Syriens UN-Botschafter Baschir Jafaari in einem Schreiben an den amtierenden Präsidenten des Sicherheitsrats, Jean-Maurice Ripert (Frankreich), und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.

Der US-Fernsehsender CNN und die "New York Times" berichteten unter Berufung auf vertrauliche Quellen, israelische Jets hätten möglicherweise einen syrischen Waffentransport für die libanesische Hisbollah-Miliz angreifen wollen. Die Zeitung meldete darüber hinaus unter Berufung auf einen US-Regierungsbeamten, dass israelische Aufklärungsflieger in Syrien kürzlich auch Aufnahmen von möglichen Nuklearinstallationen gemacht hätten. Israel geht nach diesen Angaben davon aus, dass Nordkorea Syrien mit atomarem Material versorge.

Keine Schäden

Nach offiziellen Angaben aus Damaskus waren israelische Kampfflugzeuge am vergangenen Donnerstag in syrischen Luftraum eingedrungen und nahe der Hafenstadt Latakija von der syrischen Flugabwehr beschossen worden. Die Jets warfen nach syrischer Darstellung Munition und Treibstofftanks ab. Jafaari zufolge waren die israelischen Kampfflieger nachts mit Überschallgeschwindigkeit in den Norden Syriens eingedrungen und hatten Munition abgeworfen, die aber weder Personen- noch Sachschaden verursachte. Syrien erinnerte in seinem Protestschreiben an Israels Bombenangriffe auf zivile Einrichtungen 2003.

Israel lehnte eine Stellungnahme zu der Angelegenheit erneut ab. "Wir haben unseren bisherigen Äußerungen nichts hinzuzufügen", sagte Regierungssprecherin Miri Eisin. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte die israelische Führung und alle anderen Regierungen in der Region schon am Montag ermahnt, "sich in größter Zurückhaltung zu üben und die ohnehin sehr anfällige Sicherheitslage nicht weiter zu belasten". Ban sagte auf Fragen von Journalisten: "Ich bin zutiefst besorgt über die derzeitige Situation und das, was vor ein paar Tagen zwischen Syrien und Israel passiert ist." (mit dpa)