Tabakindustrie : Neuanfang ohne Philipp Morris

Nach dem Ausscheiden des Mitglieds Philipp Morris und der Auflösung des Verbandes der Cigarettenindustrie wollen die Zigarettenhersteller nun einen neuen Verband ohne Marktführer.

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Die Zigarettenindustrie ist auch ohne Philipp Morris stark. -Foto: ddp

BerlinKurz nach der Auflösung des Verbandes der Cigarettenindustrie (VdC) streben sechs Zigarettenhersteller einen neuen Branchenverband ohne Beteiligung des Marktführers Philip Morris an. "Die Zigarettenindustrie hat keineswegs die Absicht, sich zurückzuziehen", sagte der Geschäftsführer von Gallaher Deutschland, Hagen von Wendel, in Berlin. Bis Anfang 2008 solle eine neue gemeinsame Interessenvertretung gegründet werden. Der VdC war nach wochenlangen Querelen mit dem größten Mitgliedsunternehmen Philipp Morris aufgelöst worden. Der Marlboro-Hersteller hatte Mitte Mai seine Mitgliedschaft im VdC aufgekündigt. Die Firmen, die sich nun zusammentun wollen, haben einen Marktanteil von etwa 60 Prozent.

"Wir wollen einen Neuanfang", sagte Peter Halacz von British American Tobacco. Die Auflösung des alten Verbandes sei unter anderem aus finanziellen Gründen die beste Lösung gewesen. Schwerpunkte der künftigen gemeinsamen Arbeit der sechs Unternehmen seien der Kampf gegen den Zigarettenschmuggel, der Jugendschutz und das Thema Tabakwerbung. Nötig seien unter anderem verstärkte Grenzkontrollen und härtere Strafen für Schmuggler. Zudem sollten höhere Steuern für Tabakprodukte zum Selberdrehen verhindert werden. Eine Steuererhöhung wäre nach Ansicht Halaczs "das beste Beschäftigungsprogramm für die organisierte Kriminalität", da sich der Schmuggel ausweiten würde.

Philipp Morris ist "scheinheilig"

Dem Marktführer Philipp Morris warfen die sechs Unternehmen Scheinheiligkeit vor. Der deutsche Ableger des US-Konzerns, der hier zu Lande einen Marktanteil von rund 37 Prozent hat, hatte seinen Austritt damit begründet, dass man sich stärker für eine gesundheitspolitisch orientierte Regulierung der Tabakwirtschaft und ein fast komplettes Tabakwerbeverbot einsetzen wolle.

Dass sich der Branchenprimus für ein Werbeverbot einsetze, sei nicht verwunderlich, sagte Manuel Güll, Vertreter von Reemtsma. "Werbeverbote nutzen immer dem Marktführer." Dabei stünden Werben und Aufklären gar nicht im Widerspruch.

Der VdC hatte bis vor dem Austritt seines größten Mitglieds die Interessen einer Branche mit knapp 9000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von zusammen rund 20 Milliarden Euro (2006) vertreten. (mit dpa)