Der Tagesspiegel : Täglich Aschermittwoch

Jörg Schönbohm bastelt an einer Rede. Aber nicht zu frech. Sonst kommt die nächste Krise

Michael Mara

Potsdam. Alles rätselt: Bricht heute Abend eine neue Koalitionskrise aus? Die 18. oder 20. (so genau hat das niemand gezählt)? Es geht um die Rede des für seine markigen Sprüche und emotionalen Ausbrüche bekannten CDU-Landeschefs und Innenministers Jörg Schönbohm auf dem vierten politischen Aschermittwoch der märkischen Union in Bernau. Schönbohm hat diese Tradition der bayerischen Schwesternpartei CSU abgeguckt – um mal nach Herzenslust auf SPD, Rot-Grün und PDS eindreschen zu können. Diesmal sollte es, der Entwurf war schon geschrieben, eine knallharte Abrechnung mit der verhassten rot-grünen Bundesregierung werden.

Doch Pustekuchen. Die durch seine Unterschrift unter eine missglückte Solidaritätsadresse an US-Präsident Bush ausgelöste Koalitionskrise kam dazwischen. Die SPD verlangte von dem aufmüpfigen Ex-General Mäßigung, drohte mit Rot-Rot. Schönbohm schluckte das, gestand einen Fehler ein. Doch die Folgen haben es in sich: eine Krise in der eigenen Partei, wo alte Grabenkämpfe neu ausbrechen, wo sich Hardliner und Pragmatiker darüber streiten, was man sich von der SPD bieten lassen darf und was nicht. Gestern stellte Schönbohm schon mal klar, dass es keinen Maulkorb für Christdemokraten geben werde. „Wir sind keine Kaderpartei.“

Dennoch schrieb er einen neuen Rede-Entwurf: „Ich habe mich in den Wintergarten gesetzt und auf die Eiche geblickt.“ Der uralte Baum im Kleinmachnower Garten hat den Stürmen der Zeit standgehalten, ganz so, wie Schönbohm den politischen Stürmen trotzen will. Seine Rede werde wie eine Komposition sein, „mit einem pfiffigen Einstieg, einem Adagio und einem Allegro", verriet der Opernliebhaber gestern. Klar ist nun doch, dass der Schwerpunkt nicht die Bundespolitik, sondern die Landespolitik sein wird. Dies aber, so CDU-Generalsekretär Thomas Lunacek, „mit dem nötigen Respekt vor dem Koalitionspartner“.

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