Tagesspiegel-Akademie : Bitte keine Wissensduschen

Lehren will gelernt sein: Professor Klaus Döring zeigt in seinen Seminaren an der Tagesspiegel-Akademie, wie auch Laien-Dozenten ihre Inhalte abwechslungsreich vermitteln können.

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Lebensthema Weiterbildung. Klaus Döring, Professor für die Didaktik der Aus- und Weiterbildung an der TU Berlin.
Lebensthema Weiterbildung. Klaus Döring, Professor für die Didaktik der Aus- und Weiterbildung an der TU Berlin.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Klaus Döring springt auch schon mal auf den Stuhl, wenn er etwas verdeutlichen will. Hops, rauf, 65 Lebensjahre hin oder her, da steht er, einen halben Meter über seinen Zuhörern, breitet die Arme aus und spricht emphatische fünf Sätze. Dann springt der Professor für die Didaktik der Aus- und Weiterbildung wieder runter vom Stuhl und fragt schelmisch: „Woran hat Sie das erinnert?“

Die Teilnehmer seines Seminars an der Tagesspiegel-Akademie müssen nicht lange überlegen. „An einen Pfarrer!“ Genau, sagt Döring: an einen Pfarrer, der von der Kanzel herab spricht und seinen Schäfchen mitteilt, was er für richtig und wichtig hält. In der Kirche entspricht das so der Tradition. Aber in vielen Seminaren und Fortbildungsveranstaltungen ist die Grundhaltung trotz modernster Technik immer noch ähnlich: Hier steht der Dozent, womöglich bewaffnet mit Dutzenden Powerpoint-Folien, der den Zuhörern im wahrsten Sinne des Wortes etwas „eintrichtern“ möchte. „Das ist in vielen Unternehmen, Verbänden, Vereinen der Fall, gerade wenn die Lehrenden keine didaktische Vorbildung haben“, sagt Döring, der an der Technischen Universität für das Fachgebiet „Organisation und Didaktik der Weiterbildung“ zuständig ist und mehrere Standardwerke zum Thema geschrieben hat. „Aber so können Menschen nichts lernen. Sie können höchstens etwas verstehen.“

Die Teilnehmer des Seminars, allesamt Fachleute für ihr Thema aber didaktische Laien, sind gekommen, weil sie es anders machen und sich beim Unterrichten sicherer fühlen möchten. Da ist der Wirtschaftsprüfer, der seine Mitarbeiter weiterbilden will, die junge Frau, die Stressbewältigungskurse für Mütter anbietet, da ist das Paar im Rentenalter, das seit Jahren ehrenamtlich medizinische und pharmazeutische Erfahrungen in Entwicklungsländern weitergibt, oder der Techniker, der regelmäßig Mitarbeiter seines Unternehmens schult. Sie alle stehen jetzt im Tagesspiegel-Seminarraum und blicken auf das dunkle Parkett herab, auf das Klaus Döring große handgemalte Plakate geklebt hat mit Modellen eines Nürnberger Trichters oder einer „Wissens-Dusche“. So nicht!

Stattdessen: Einatmen, ausatmen. Diese Begriffe, die man eher im Sport- oder Yogakurs erwarten würde, wird Klaus Döring im Laufe des anderthalbtägigen Seminars noch häufig gebrauchen. Lernen ist für ihn ein Prozess, der aus „Einatmen“ und „Ausatmen“ besteht: Der Lernende nimmt etwas auf, was ihm dargeboten wird, sei es Vortrag, Folie oder Text, und er eignet es sich an, indem er damit umgeht, es anwendet, in Einzel-, Gruppen- oder Partnerarbeit. Und weil das so ist, lässt der TU-Professor hier und auch bei seinen Uni-Seminaren am liebsten „die Teilnehmer alles selbst machen“: Sie bereiten in kleinen Gruppen Lehreinheiten vor, in denen sie wiederum ihren Mitstreitern auf abwechslungsreiche Weise nahebringen, wie Lehren am besten funktioniert: mit geschickter Stoffreduktion, Visualisierung und Einatem- und Ausatemphasen. Ein Ratschlag ist Döring, der selbst gerne Anekdoten erzählt, besonders wichtig: „Nutzen Sie jede Chance zum Spaß!“ Denn Lernen soll Spaß machen, auch in der betrieblichen Weiterbildung.

Und Powerpoint? Mag Klaus Döring nicht. „Die Folien sind viel zu schnell weggeklickt, das haben die Teilnehmer sofort wieder vergessen“, sagt er. Besser sei es, die Inhalte auf Flipchartplakaten festzuhalten und an die Wand zu hängen. „Darüber wandern die Blicke dann im Laufe des Seminars immer wieder, der Inhalt prägt sich besser ein.“ Eins ist sicher: Ein Professor, der auf dem Stuhl deklamiert, der bleibt bestimmt im Gedächtnis.

Die nächsten Seminare mit Professor Döring finden am 4./5. und am 11./12. Oktober in der Tagesspiegel-Akademie statt (jeweils freitags von 18–20.30 Uhr und samstags von 10–17 Uhr). Das zweite Seminar baut auf dem ersten auf, kann aber auch einzeln gebucht werden. Infos und Anmeldung unter Tel. 29021-520 und hier.

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