Tarifkonflikt : Bahn will Schadenersatz für Streik

Am Ende waren es nur zwei Stunden, aber die Auswirkungen des Streiks der Lokführer sind erst in den Nachmittagsstunden abgeklungen. Die Bahn erwägt jetzt eine Schadenersatzklage gegen die Gewerkschaft GDL.

Deutsche Bahn Streiks
Reisende beim Warten: Für die GDL könnte der Streik teuer werden. Die Bahn prüft eine Schadenersatzklage. -Foto: dpa

Frankfurt/Main/Mainz/BerlinGut zweistündige Warnstreiks der Lokführer haben den Bahnverkehr in ganz Deutschland massiv behindert. Viele Reisende mussten erhebliche Wartezeiten in Kauf nehmen. Etliche Pendler, die sonst mit der S-Bahn fahren, kamen zu spät zur Arbeit. Um 10.15 erklärte die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) die Aktion für beendet. Sie sollte ursprünglich bis 11 Uhr dauern. Zuvor war das Mainzer Arbeitsgericht einem Antrag der Bahn gefolgt und hatte in einer Einstweiligen Verfügung die Arbeitsniederlegungen verboten. Die Bahn prüft unterdessen Schadenersatzforderungen gegen die Gewerkschaft.

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Tausende Bahn-Kunden mussten am Morgen ausweichen oder auf andere Verkehrsmittel umsteigen. Die Bahn könnte dafür jetzt...Foto: dpa

Nach Angaben von Bahnchef Hartmut Mehdorn waren 140 Züge direkt betroffen. Zur Höhe der Schäden konnte er keine Angaben machen. Die Bahn werde alles dafür tun, weitere Störungen für die Fahrgäste zu vermeiden, versicherte der Bahnchef. Nach dem Gerichtsbeschluss sollte nun genug Zeit für Verhandlungen sein, um zu einer Lösung zu kommen. Bei einem Spitzengespräch an diesem Freitag werde er der GDL den am Montag mit den anderen beiden Gewerkschaften erzielten Tarifabschluss als Angebot vorlegen. Einen von der GDL geforderten separaten Tarifvertrag lehnte Mehdorn erneut kategorisch ab.

Die Gewerkschaft erwartet dagegen ein Angebot. Die Forderung nach bis zu 31 Prozent mehr Gehalt für Lokführer, Zugbegleiter und das Speisewagenpersonal sowie einen eigenen Tarifvertrag. Am Montag hatten bereits die beiden konkurrierenden Gewerkschaften Transnet und GDBA mit der Bahn einen Tarifvertrag geschlossen, der 4,5 Prozent mehr Geld vorsieht. Nach Einschätzung der Lokführer-Gewerkschaft können diese beiden Gewerkschaften allerdings nur rund 100.000 der 134.000 Beschäftigten der Bahn vertreten.

Ein GDL-Sprecher sagte in Frankfurt, man habe der Bahn mit den Warnstreiks ein Signal gegeben, dass die Beschäftigten hinter der Forderung der Gewerkschaft stünden. Es ist bereits der zweite Warnstreik der kleinsten Bahn-Gewerkschaft.

Gerichtsentscheidung kam erst nach Beginn der Streiks

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Wenn die Lokführer streiken, droht ein Verkehrschaos. -Foto: ddp

Da der Gerichtsbeschluss erst nach Beginn der Warnstreiks erging, war der Bahnverkehr vielerorts bereits lahm gelegt. Da das Urteil zunächst allerdings nicht zugestellt worden war, hatte es aus Sicht der Gewerkschaft keine rechtliche Wirkung. Die Gewerkschaft GDL selbst war nicht zur Verhandlung in Mainz erschienen. Ausschlaggebend für das vorzeitige Ende der Warnstreiks sei das Urteil aber nicht gewesen, sagte ein Gewerkschaftssprecher. Im Gegensatz zur Vorwoche habe der Streik erst ab 8 Uhr begonnen, um den Berufsverkehr nicht so stark zu beeinträchtigen.

Reisende im Fernverkehr hätten bis zu zwei Stunden Verspätungen hinnehmen müssen, sagte ein Bahn-Sprecher in Hannover. Teilweise zogen sich die Auswirkungen bis in den Nachmittag hin. In Berlin, München, aber auch in Hamburg, Frankfurt oder Stuttgart war der S-Bahn-Verkehr am Morgen fast zum Erliegen gekommen. Auch einige Regionalzüge hätten ihre Fahrt nicht fortgesetzt, sagte ein Bahnsprecher in Berlin. Viele Pendler hatten sich auf den angekündigten Warnstreik eingestellt und waren auf U-Bahn, Busse oder das Auto umgestiegen.

Fahrgäste in Hamburg mussten über die Gleise aussteigen

In Hamburg stoppte ein S-Bahnzug etwa hundert Meter vor der Einfahrt in den Hauptbahnhof. Hunderte Menschen verließen nach Angaben von Fahrgästen den Zug und gingen über die Gleise zu Fuß durch einen Tunnel in den Bahnhof. Die Feuerwehr half bei der Evakuierung des Zuges. Lautsprecherdurchsagen wiesen daraufhin, dass auch die wenigen noch fahrenden Züge nicht mehr den Bahnhof ansteuern können, da sich Menschen auf den Gleisen befinden.

In Sachsen setzten rund 100 Lokführer ihren Warnstreik am Vormittag trotz Gerichtsverbots fort. In Nordrhein-Westfalen waren die Warnstreiks kurz nach Beginn wieder ausgesetzt worden. Zuvor sei das Urteil des Arbeitsgerichts Düsseldorf mit einer einstweiligen Verfügung gegen den Streik der Gewerkschaft in Nordrhein-Westfalen förmlich zugestellt worden, sagte ein GDL-Sprecher in Frankfurt am Main. (mit dpa)