Tarifkonflikt bei der Bahn : 48 Stunden totaler Streik

Die Lokführer gehen mit neuen Streiks bis zum Wochenende aufs Ganze. Der Güterverkehr soll ab Mittwoch 12 Uhr bestreikt werden. Ab zwei Uhr früh am Donnerstag soll auch der Personenverkehr still stehen. Die Bahn habe laut GDL immer noch kein tragfähiges Angebot vorgelegt.

Bahn-Streiks
Reisende werden am Donnerstag und Freitag vergeblich auf Züge der Bahn warten. Bis Samstagmorgen um zwei Uhr soll der Ausstand...Foto: dpa

Frankfurt/MainDer Tarifstreit bei der Bahn eskaliert: Die Lokführergewerkschaft GDL bestreikt wie angedroht in dieser Woche bundesweit den gesamten Bahnverkehr. Die Bahn habe trotz Millionenschäden noch immer kein "tragfähiges Angebot" vorgelegt, begründete der Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Manfred Schell, das massive Vorgehen.

Der Arbeitskampf im Güterverkehr soll an diesem Mittwoch um 12 Uhr und im Nah- und Fernverkehr am Donnerstag um 2 Uhr beginnen. Enden sollen die erneuten Streiks in der Nacht zum Samstag um 2 Uhr. Schell drohte bereits mit einer weiteren Eskalation: Wenn auch diese Aktion nicht zum Erfolg führe, werde der GDL-Vorstand nicht mehr umhinkommen, dem zunehmenden Drängen der Gewerkschafts-Mitglieder zu unbefristeten Streiks nachzugeben. Schell betonte, die GDL habe noch genug Geld für weitere Arbeitskämpfe in ihrer Kasse.

Auch ein geheimes Spitzengespräch zwischen Schell und Bahnchef Hartmut Mehdorn am Montagnachmittag brachte keine Bewegung in den seit Monaten festgefahrenen Tarifkonflikt. Schell betonte: "Wir sind der felsenfesten Überzeugung, dass das, was die GDL will - nämlich schlicht und einfach ein Ergebnis auf Grundlage des Moderatorenergebnisses - erzielbar und erreichbar und für die Bahn und damit auch für die deutsche Volkswirtschaft absolut vertretbar ist."

Kompromissvorschlag von 15 Prozent mehr Lohn

Die Gewerkschaft fordert unvermindert einen eigenständigen Tarifvertrag für das Fahrpersonal und bis zu 31 Prozent mehr Geld. Schell zeigte sich aber kompromissbereit: "Die ganze Republik weiß, dass 31 Prozent nie zum Tragen kommen." Er nannte als Kompromissvorschlag als Beispiel eine Erhöhung von 15 Prozent für 30.000 Beschäftigte. Das jüngste Angebot der Bahn von Mitte Oktober enthält außer einer Einkommenserhöhung von 4,5 Prozent und einer Einmalzahlung von 600 Euro zusätzliche Verdienstmöglichkeiten durch Mehrarbeit und günstigere Dienstpläne. Diese Vorschläge hatte die GDL bereits mehrfach als unzureichend abgelehnt.

Mit ihrer sturen Haltung habe die Bahn schon "mehr volkswirtschaftlichen Schaden angerichtet als das Mehr, was wir uns erhoffen", kritisierte Schell. Der Bahn-Vorstand beriet in Berlin über den Tarifkonflikt. Eine Prognose, wie lange die Auseinandersetzung noch andauern werde, wagte Schell nicht: "Wir können viel vermuten, aber dass es bis Weihnachten geht, wird dieser (Bahn-)Vorstand nicht überleben." (mit dpa)