Tarifkonflikt : Lokführer fordern Machtwort von Merkel

Die Gewerkschaft der Lokführer will, dass Bundeskanzlerin Merkel sich als "oberste Eigentümerin der Bahn" in den Tarifkonflikt einmischt, damit vernünftige Verhandlungen möglich sind.

BerlinZur Lösung des Tarifkonflikts bei der Bahn AG hat die Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aufgefordert, Einfluss auf den Bahn-Vorstand zu nehmen. "Die Bundeskanzlerin sollte ihre Möglichkeiten nutzen und den Bahn-Vorstand dazu anhalten, mit uns in ordentliche, substanzielle Verhandlungen einzutreten", sagte GDL-Chef Manfred Schell der "Berliner Zeitung". Schließlich sei Merkel als Vertreterin des Bundes "im Prinzip oberste Eigentümerin der Bahn".

Schell sagte dem Blatt weiter, die Lokführergewerkschaft werde von der Bahn in den Arbeitskampf getrieben. Es sei "nicht unser erstes und alleiniges Ziel, auf Teufel komm raus streiken zu wollen", sagte er. "Wir wollen verhandeln und ein vernünftiges Ergebnis erzielen." Nichts anderes habe die GDL seit zwei Monaten erfolglos versucht. Jetzt habe der Bahn-Vorstand noch einmal Zeit, bis zum 6. August ein akzeptables Angebot vorzulegen. An diesem Tag soll das Ergebnis der angelaufenen Urabstimmung bekannt gegeben werden.

Schell deutete zudem Kompromissbereitschaft für die Verhandlungen an. "Bei den geforderten 31 Prozent Lohnerhöhung kann man darüber reden, welche Zulagen dabei sind, ob möglicherweise ein Teil der Erhöhung in die betriebliche Altersvorsorge geht, wie die Laufzeit des Vertrages ist", sagte er. "Man kann auch darüber reden, wie man die kürzere Arbeitszeit anrechnet. Sie würde umgerechnet einer Gehaltserhöhung von etwa 2,6 Prozent entsprechen." Aber das sei den Verhandlungen vorbehalten. Generell bestehe die GDL darauf, dass dies in einem eigenständigen Tarifvertrag festgeschrieben werde. (mit AFP)