Tarifkonflikt : Streikpause bis 27. August - Lokführer und Bahn zufrieden

Anfang nächster Woche soll es bei der Bahn mit der Vermittlung im Tarifstreit mit der Lokführern losgehen. Beide Seiten sind mit der Planung zufrieden. Das Arbeitsgericht Nürnberg hat das Streikverbot wieder aufgehoben. Bis 27. August soll es keine Ausstände mehr geben.

Lokfuehrer-Streik
GDL-Chef Manfred Schell (l.) mit dem Verhandlungsführer der Bahn, Werner Bayreuther (r.), nach dem Nürnberger Vergleich zum...Foto: ddp

NürnbergDie Vermittlungsgespräche zwischen der Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL werden voraussichtlich Anfang der kommenden Woche beginnen. Einzelheiten müssten noch mit den beiden Mediatoren, den früheren CDU-Spitzenpolitikern Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf, geklärt werden, sagte GDL-Chef Manfred Schell. Zuvor hatte die Lokführergewerkschaft in einen Vergleichsvorschlag des Nürnberger Arbeitsgericht Nürnberg eingewilligt, bis zum 27. August nicht zu streiken.

Bahn-Personalvorstand Margret Suckale sagte in Berlin, der Konzern werde so lange keine neuen rechtlichen Schritte gegen die GDL einleiten, wie kein Streik drohe und man bei der Vermittlung an einem Tisch sitze. Auch sie geht davon aus, dass die Vermittlung bereits Anfang nächster Woche beginnen könne. Die Gespräche der Moderatoren würden "ein bisschen abseits der Öffentlichkeit laufen".

Beide Seiten mit Vergleich zufrieden

Im Bahnkonflikt hat das Arbeitsgericht Nürnberg vorgeschlagen, das Streikverbot für die Lokführer vorerst außer Kraft zu setzen. Voraussetzung sei, dass sich die Lokführergewerkschaft GDL bereiterkläre, für den Zeitraum des Vermittlungsverfahrens auf einen Streik zu verzichten.

Bahn und GDL sind mit dem Vergleich vor dem Arbeitsgericht Nürnberg zufrieden. "Wir haben damit Planungssicherheit für den Ferienmonat August", sagte Bahn-Verhandlungsführer Werner Bayreuther. Man habe nun drei Wochen Zeit, um die Sache weiterzubringen. Schell erklärte, es sei nun wichtig, dass beide Parteien nicht länger auf ihren Standpunkten beharrten. An der Forderung nach einem eigenen Tarifvertrag für die Lokführer halte er aber weiterhin fest, bekräftigte Schell. Beide Seiten betonten, sie gingen davon aus, dass mit der Berufung von Geißler und Biedenkopf als Mediatoren die Vermittlungschancen gewachsen seien.

Geißler will Vertrauen aufbauen

Der Vermittler im Bahn-Tarifkonflikt, Heiner Geißler, will bei den anstehenden Gesprächen mit dem Konzern und der Lokführergewerkschaft GDL zunächst wieder Vertrauen aufbauen. Ziel der Verhandlungen werde sein, "das notwendige Mindestmaß an Vertrauen zwischen Unternehmen und Belegschaft wiederherzustellen", sagte der frühere CDU-Spitzenpolitiker der "Süddeutschen Zeitung" (Freitag). Ohne dieses Vertrauen könne das wichtigste Transportunternehmen der Republik nicht florieren. "Es geht um eine Befriedung", fügte er hinzu. Geißler soll gemeinsam mit dem früheren sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf (CDU) eine Lösung in dem Tarifstreits suchen.

Der Vorsitzende der Verkehrsgewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, sieht einen Erfolg der Vermittlung keineswegs garantiert. Die Chancen einer Einigung lägen bei "unter 50 Prozent, weil die Fronten doch sehr verhärtet sind", sagte er am Freitag im Bayerischen Rundfunk.

Hansen bot dem GDL-Vorsitzenden Manfred Schell an, sich an Verhandlungen über die Bezahlung für einzelne Berufsgruppen zu beteiligen. Innerhalb des Tarifvertrages sei eine Differenzierung nach Berufsgruppen durchaus möglich. "Er kann sogar eine federführende Rolle für die Lokführer bei den Verhandlungen einnehmen - dagegen ist nichts einzuwenden. Vielleicht ist das eine Brücke, die Herr Biedenkopf und Herr Geißler erkennen", sagte Hansen. (mit dpa)