Tarifkonflikt : Ungarns Eisenbahner streiken

In Ungarn haben die Eisenbahner sechs Stunden lang gestreikt und damit den Schienenverkehr im ganzen Land lahmgelegt. Damit soll die geplante Stilllegung von Nebenstrecken gestoppt werden.

BudapestAuch nach dem Ende des Ausstands gegen zwölf Uhr mittags hatten regionale und internationale Züge noch Verspätung. Nach Einschätzung der Ungarischen Staatsbahnen (MAV) sollen die Dauerstreiks noch bis Donnerstagmittag anhalten. Zum Arbeitsstopp aufgerufen hatten die beiden größten Eisenbahnergewerkschaften. Sie wollten damit gegen die von der sozialistisch-liberalen Regierung geplante Stilllegung von 38 unwirtschaftlich gewordenen Nebenlinien protestieren.

Dritter Tag der Arbeitsniederlegung

Ungarns Eisenbahner hatten bereits am 25. Oktober und am 7. November jeweils zwei Stunden lang für dieses Ziel die Arbeit niedergelegt. Die Regierung in Budapest hatte am Dienstag angekündigt, die geplanten Stilllegungen teilweise um ein Jahr zu verschieben. Die Eisenbahnergewerkschaften beharrten aber dennoch auf ihrem Ausstand. Außerdem verknüpften sie ihn mit der Forderung, die Regierung müsse die für kommendes Jahr geplante Verschlechterung der Rentenbedingungen zurücknehmen.

Dem Streik der Eisenbahner schlossen sich am Mittwoch erstmals auch andere Berufsgruppen an, die damit ihre Solidarität ausdrücken, aber auch gegen die von der Regierung geplante Teilprivatisierung der Krankenkassen protestieren wollten. So legten die Busfahrer in den Bezirken Vas (Westungarn) und Bekes (Südostungarn) für zwei Stunden die Arbeit nieder. Das Bodenpersonal des Budapester Flughafens Ferihegy streikte zwischen zwei und vier Uhr früh, ohne dass dies zu Behinderungen im Flugverkehr führte.

Auch in Krankenhäusern wird gestreikt

Auch in vier Kraftwerken, zahlreichen Schulen und im Krankenhaus der westungarischen Stadt Veszprem kam es zu jeweils zweistündigen Arbeitsniederlegungen. Am Abend hatten mehrere Gewerkschaftsverbände zu einer Kundgebung vor dem Budapester Parlament aufgerufen. (mit dpa)