Tarifstreit : GDL-Boss fordert Rücktritt der Bahn-Personalchefin

Der Ton im Tarifstreit zwischen Lokführern und Bahn wird weiter schärfer: GDL-Chef Schell ist der Ansicht, Bahn-Personalchefin Suckale sollte zurücktreten, wenn sie das bisherige Angebot für vertretbar hält. Laut einer Umfrage sinkt das Verständnis der Bevölkerung für Streiks.

Hamburg/Frankfurt am MainIm Tarifstreit mit der Deutschen Bahn hat die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) den Rücktritt von Bahn-Personalchefin Margret Suckale gefordert. "Sollte Frau Suckale von der Richtigkeit ihres bisherigen Angebots überzeugt sein, sollte sie ihr Amt unverzüglich zur Verfügung stellen", sagte GDL-Chef Manfred Schell. Suckale hatte Schell zuvor zum Abbruch seiner Kur und zur Rückkehr an den Verhandlungstisch aufgefordert. Schell macht dies von der Vorlage eines neues Angebots abhängig.

"Bei einem substanziellen Verhandlungsangebot über einen eigenständigen Tarifvertrag mit den Inhalten Entgelt und Arbeitszeit breche ich meine Kur ab", so Schell. Die GDL habe bislang kein neues Angebot zu Tarifverhandlungen erhalten. "Es ist schon eigenartig, mit welchen Mitteln Frau Suckale versucht, die Bevölkerung für dumm zu verkaufen", sagte Schell. Die GDL werde sich durch einen Tarifvertrag, der das Wort "eigenständig" nicht verdiene, nicht tarifpolitisch kastrieren lassen.

GDL-Chef Manfred Schell hält einen Kompromiss nach eigenem Bekunden für möglich: "Wir haben schon viele Arbeitskämpfe in Deutschland gehabt. Auch dieser wird mit einem Kompromiss enden, den beide Seiten vertreten können", sagte er der "Zeit". Schell bekräftigte, dass der eigenständige Tarifvertrag die zentrale Forderung der GDL sei. Beim Gehalt zeigte er sich erneut flexibel: Die Gehälter für die Lokführer könnten statt einmalig auch über mehrere Jahre hinweg angehoben werden.

Sinkendes Verständnis

Nach drei Streiks binnen zwei Wochen schwindet die Zustimmung in der Bevölkerung für den Arbeitskampf der Lokführer. In einer Umfrage für das Magazin "Stern" sagten 45 Prozent der Befragten, sie fänden die Aktionen der Lokführergewerkschaft GDL richtig. 50 Prozent halten die Streiks demnach für falsch. Anfang Oktober, nach dem ersten, nur dreistündigen Streik der GDL, hatte die Unterstützung für die Lokführer noch bei 55 Prozent gelegen.

Die GDL kämpft für einen eigenständigen Tarifvertrag und höhere Löhne für die Lokführer. Die Bahn lehnt den separaten Tarifvertrag strikt ab. Am Donnerstag und Freitag wollen die GDL-Mitglieder erneut die Arbeit niederlegen, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. (mit dpa/AFP)