Tarifverhandlungen : Bahn-Gespräche bringen keinen Durchbruch

Zähe Verhandlungen und doch nicht alles im Gleis: Bei der Bahn wird immer noch über neue Tarifverträge gestritten. Während die Lokführer auf einem eigenen Vertrag bestehen, ist man einer Einigung für die restliche Belegschaft näher gekommen.

Bahn GDL
Manfred Schell, Gewerkschaftschef der Lokführer, macht seinem Zorn Luft nach den Verhandlungen mit Bahn-Chef Mehdorn. -Foto: ddp

Zwischen Berlin und Frankfurt liegen gut vier ICE-Stunden, doch die Verhandler an beiden Orten trennten Welten. Während ein neuer Tarifvertrag für rund 134.000 Bahn-Beschäftigte mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA bei den Gesprächen in der Hauptstadt wahrscheinlicher wurde, herrscht zwischen der Unternehmensführung und den Lokführern nach einem Spitzengespräch in der Mainmetropole dicke Luft. Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Manfred Schell, ließ seinem Ärger nach einer zweieinhalbstündigen Unterredung mit Bahnchef Hartmut Mehdorn freien Lauf - und kündigte umgehend neue Warnstreiks in der kommenden Woche an. Die beiden anderen Bahngewerkschaften kritisierten dies und sprachen von einem falschen Kurs.

Separatistische Lokführer

Im Vergleich zur Tarifgemeinschaft von Transnet und GDBA, die nur um Prozente feilscht, geht es bei den Lokführern ums Prinzip: Sie bestehen seit längerem auf einem eigenständigen Tarifvertrag für das fahrende Personal - nicht zuletzt, weil sie sich von der großen Transnet nicht die Tarifpolitik diktieren lassen wollen. Da die GDL nach eigenen Angaben drei Viertel der 20.000 Lokführer vertritt, hat sie eine starke Verhandlungsmacht. Die Bahn will jedoch den einheitlichen Tarifvertrag für alle Beschäftigten auf keinen Fall preisgeben. Dies wäre ein Dammbruch. "Dann kämen die Stellwerker und dann die ... und wollten auch einen eigenen Tarifvertrag, dann können wir gleich einpacken", sagt ein Insider.

Ausgerechnet am Freitag, den 13., wollen beide Seiten versuchen, das offensichtlich Unvereinbare in Einklang zu bringen. Bahn-Verhandlungsführer Werner Bayreuther kündigte ein Angebot an, ließ aber völlig offen, wie dies aussehen könnte. Denkbar wäre vieles - von anderen Eingruppierungen, Zuschlags- oder Schichtregelungen bis zu einem Ergänzungstarifvertrag. Doch GDL-Chef Schell, der im Mai 2008 abtreten wird, macht bereits klar: "Das Angebot muss schon verdammt gut sein, bevor wir eine Generalversammlung einberufen, die das akzeptiert."

Neues Angebot der Bahn

Weiter kamen die Verhandlungsdelegationen in Berlin. Dort legte die Bahn der Tarifgemeinschaft von Transnet und GDBA ein neues Angebot vor: 3,4 Prozent mehr Geld Anfang 2008 und 450 Euro statt zuvor gebotener 300 Euro Einmalzahlung für die zweite Jahreshälfte 2007. "Das reicht noch nicht", sagt Verhandlungsführer Alexander Kirchner. Auch der Anspruch auf eine Mindesterhöhung von 150 Euro monatlich für die unteren Lohngruppen bleibe. Es wurden aber Arbeitsgruppen eingesetzt, die die strittigen Punkte, zu der auch eine längere Arbeitszeit gehört, bis Sonntag einzeln besprechen sollen. "Vielleicht ist dann schon ein Abschluss möglich", sagte Kirchner.

Bei der GDL ist die Hauptforderung sehr viel mehr Geld für das Fahrpersonal - bis zu 31 Prozent. "Wir wollen von der miesen Bezahlung von 1500 Euro netto für einen Lokführer wegkommen und 2500 Euro brutto Anfangsgehalt", macht Schell klar. Während die Bezüge des Bahnvorstands 2006 um 62 Prozent gestiegen seien, habe das Fahrpersonal seit der Privatisierung 1994 einen Reallohnverlust von 9,5 Prozent in Kauf nehmen müssen, rechnet die GDL vor.

Sympathien für die Streiks

"Wir bekommen viel positive Zustimmung", sagt eine Gewerkschafterin. Viele Menschen könnten es gar nicht glauben, wie wenig ein Lokführer verdiene. Rund 70 Prozent der Deutschen haben nach jüngsten Umfragen Verständnis für die Warnstreiks der Eisenbahner. Um die Sympathien nicht zu verlieren, will die GDL den nächsten Warnstreik in der kommenden Woche wieder mindestens 24 Stunden vorher ankündigen.

Sollten die Gespräch am 13. Juli keine Annäherung bringen, wird die nächste Eskalationsstufe einer Urabstimmung für einen unbefristeten Streik aber wohl nicht lange auf sich warten lassen. Zwar hat die Bahn bereits im Dezember 2006 eine Feststellungsklage beim Arbeitsgericht Mainz eingereicht, um der GDL einen Arbeitskampf zur Durchsetzung eines Spartentarifvertrags untersagen zu lassen. Doch der Gerichtstermin ist erst am 19. September. "Dann sind die Messen schon gesungen", gibt sich Schell gelassen. (Von Angela Schiller und Bernd Röder, dpa)