Tarifverhandlungen : Lokführer und Bahn einigen sich - Streiks abgewendet

Die Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL haben einen Durchbruch bei den Tarifverhandlungen erzielt. Die GDL soll einen eigenen Vertrag bekommen, der sich dennoch in das Gesamtwerk der Bahn-Tarife einfügt. Bis Ende Januar dürfte es damit keine neuen Streiks geben.

Markus Mechnich
Bahn Mehdorn Schell
Geschafft: Bahn-Vorstand Mehdorn (l.) und GDL-Chef Schell (r.) nach der Einigung. -Foto: ddp

BerlinAm Ende standen sie gemeinsam vor der Kamera und zeigten sichtbar Freude und Erleichterung über die Übereinkunft. Bahn-Vorstand Mehdorn und GDL-Chef Schell durften eine Streikpause bis Ende Januar verkünden. In der Sache wurde ein Kompromiss erzielt, der beide Seiten das Gesicht wahren lässt. Einen eigenen Tarifvertrag wird es für die Lokführer geben, der sich in einen Manteltarifvertrag der Bahn einfügt.

Details, wie Entgelte und Sonderzahlungen werden in gesonderten Verhandlungen ab Januar 2008 geklärt werden. Noch im Dezember soll es eine Sonderzahlung von 800 Euro für die Lokführer geben. "Das ist vereinbart und könnte höchstens an technischen Dingen scheitern", sagte GDL-Chef Schell. Diese Zahlung soll ein Ausgleich für die Verbesserungen darstellen, die die Mitglieder der anderen Gewerkschaften bisher erhalten haben.

Mehdorn: "Wir sind dabei, ein großes Tarifwerk zu schaffen"

Bahn-Chef Mehdorn bejahte die Frage, ob  die grundlegenden Fragen jetzt geklärt seien. "Man geht nicht mit dem Pflug aufs Feld bevor die Steine aus dem Weg geräumt sind", sagte der Vorstandsvorsitzende der Bahn. Die Verhandlungen zu dem gesamten Tarifkomplex bei der Bahn werden sich noch bis Ende des kommenden Jahres hinziehen. "Wir sind dabei, ein großes Tarifwerk zu schaffen. Das dauert seine Zeit", erklärte Mehdorn.

Mehdorn antwortete auf die Frage, ob es Druck von seiten der Politik gegeben habe: "Die Politik hat sich aus den Tarifverhandlungen heraus gehalten. Da hat sie gesagt und auch getan". Gleichwohl dürfte der allgemeine Druck auf beide Seiten mittlerweile immens gewesen sein. Für GDL-Chef Schell stellte sich mit dem Konflikt die Existenzfrage. Ein Zurückweichen hätte die GDL auf Jahre hinaus ins Abseits gestellt und fundamental geschwächt. Aber auch für Mehdorn wäre ein kompletter Rückzug fatal geworden. Nach der Privatisierung, die vorerst auf Eis liegt, wäre eine Niederlage gegenüber den Lokführern der endgültige Nackenschlag gewesen. Lange wäre er als Vorstand nicht mehr zu halten gewesen.

"Eigener" oder "eigenständiger" Tarifvertrag

Es waren harte Verhandlungen, die sich von Montagmorgen bis zum heutigen Nachmittag hinzogen. Gestern vertagten sich beide Parteien nach zehn Stunden. Kern der Gespräche war die Frage nach Begrifflichkeiten. Was ist ein "eigenständiger" Tarifvertrag? Worin liegt der Unterschied zu einem "eigenen" Tarifvertrag? Darum drehte sich der ganze Konflikt seit Monaten.

Umso ärgerlicher für die Bahn-Kunden, dass sich beide Parteien erst nach knapp fünf Monaten dazu durchgerungen haben, die Kardinalfrage des Tarifkonflikts anzugehen. Umso schöner, dass es diesmal wirklich nach einer Lösung aussieht. Die Kunden dürfen sich jedenfalls auf einen reibungslosen Weihnachtsreiseverkehr freuen. Den Verkehrsinfarkt zum Fest wird es nicht geben.