Telekom-Prozess : Ron Sommer weist Vorwürfe zurück

Keine Überraschung im Telekom-Prozess: Ex-Vorstandschef Ron Sommer bestreitet die Vorwürfe der Telekom-Aktionäre, zum Zeitpunkt des Börsengangs bereits die Voicestream-Übernahme geplant zu haben. Die Anleger werfen dem Bonner Konzern bewusste Fehlinformation vor.

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Weiß von nichts: Ex-Telekom-Chef Ron Sommer hat vor Gericht sämtliche Vorwürfe zu gezielten Fehlinformationen von Aktionären...Foto: ddp

Frankfurt/MainIm Mammut-Prozess gegen die Deutsche Telekom hat Ex-Konzernchef Ron Sommer Vorwürfe zum Kauf des US-Mobilfunkunternehmens Voicestream bestritten. Der Telekom-Vorstand und der Aufsichtsrat hätten dem Kauf von Voicestream erst Ende Juli 2000 zugestimmt, der dritte Börsengang dagegen sei bereits einen Monat zuvor im Juni 2000 erfolgt.

Erst nach "geheimen" Gespräche mit einem anderen Unternehmen kam es dann Mitte Juli zu neuen Übernahmeverhandlungen mit Voicestream. Am 23. Juli 2000 sei dann die endgültige Entscheidung zum Kauf von Voicestream gefallen. "Das Treffen, das wir am 13. März in einem New Yorker Hotel hatten, war ein Abtasten vom Vorstand von VoiceStream und uns", sagte der frühere Vorstandschef Ron Sommer am dritten Verhandlungstag im Frankfurter Prozess tausender Aktionäre gegen die Deutsche Telekom AG.

Aktionäre nicht über Risiken informiert

Bei dem Treffen ging es um hypothetische Szenarien für ein Zusammengehen. Von einer tatsächlichen Fusion sei aber noch nicht die Rede gewesen. "Es ging bei dem Gespräch um viele Fragen, unter anderen auch um Bewertungsfragen und in welcher Form man eine solche Transaktion durchführen könnte", sagte Sommer, der am Juli 2002 an der Spitze der Telekom abgelöst wurde.

Die 16.000 Kläger in dem Verfahren werfen der Telekom vor, die Übernahme von Voicestream sei bereits vor dem Börsengang besiegelt gewesen. Im Prospekt zum Börsengang habe die Telekom aber nicht über die geplante Übernahme von Voicestream und die damit verbundenen Risiken informiert.

80 Millionen Euro Schadensersatz gefordert

Sommer erklärte, im Juni 2000 habe sich die Telekom in Verhandlung mit verschiedenen Telekommunikationsunternehmen befunden. "Vor dem dritten Börsengang sind wir, insbesondere was Voicestream betrifft, zu keinem konkreten Ergebnis gekommen." Die Übernahme des US-Unternehmens hatte die Telekom nach eigenen Angaben insgesamt rund 39 Milliarden Euro gekostet.

Der Prozess gegen die Telekom am Oberlandesgericht Frankfurt hatte in der vergangenen Woche begonnen. Telekom-Verteidiger Bernd-Wilhelm Schmitz hatte zum Prozess-Auftakt einen Vergleich mit dem 16.000 klagenden Klein-Aktionären abgelehnt. Im Mittelpunkt des Verfahrens mit Schadensersatzforderungen in Höhe von rund rund 80 Millionen Euro steht der dritte Börsengang der Telekom im Jahr 2000. Sommer war als erster von insgesamt zwölf Zeugen in dem Verfahren geladen. (iba/dpa/AFP)