Der Tagesspiegel : Telekom rechnet mit Einigung Konzernchef kommt Verdi entgegen

Berlin - Der Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Telekom und Verdi steht möglicherweise vor einer Lösung. „Wir haben neue Zuversicht, dass Verdi an den Verhandlungstisch zurückkehren und konstruktiv mit uns verhandeln will“, sagte Vorstandschef René Obermann dem Handelsblatt in Berlin. Der Konzern sei bereit, auch weitere Kompromisse zu machen. „Ich schließe Veränderungen bei einzelnen Komponenten nicht grundsätzlich aus, wenn Verdi ihrerseits realistische Vorschläge für einen tragfähigen Kompromiss macht“, sagte Obermann. „Wir sind in allen Punkten gesprächsbereit, aber wir werden uns nicht von unserem Gesamtkonzept verabschieden.“

Das Konzept sieht vor, 50 000 Service- Mitarbeiter der Festnetzsparte in neue Einheiten auszugliedern, wo sie länger arbeiten und weniger verdienen sollen. Die Telekom hatte vergangene Woche eine Erfolgsbeteiligung und Boni vorgeschlagen, um die geplante Senkung des Grundgehalts abzufedern. Über diese Vorschläge will Verdi heute die eigene große Tarifkommission informieren. Dieses Gremium kann beschließen, ob die Gewerkschaft wieder offizielle Gespräche mit der Telekom aufnimmt. Verdi-Streikleiter Ado Wilhelm wollte das nicht ausschließen, betonte jedoch, dass es in dem Angebot noch „erhebliche Probleme“ gebe. Selbst wenn die Parteien wieder verhandeln sollten, will Verdi weiter streiken. „Es gibt keinen Grund, weshalb man in Verhandlungen den Druck rausnehmen sollte“, sagte Wilhelm. Am Montag waren laut Verdi erneut 16 000 Telekom-Mitarbeiter im Ausstand, davon 2500 in Berlin.

Auch ohne eine Einigung mit Verdi will die Telekom den Umbau wie geplant zum 1. Juli umsetzen. Dann würde das Unternehmen die 50 000 Mitarbeiter in andere Konzernbereiche verschieben, in denen bereits ähnliche Arbeitsbedingungen gelten, wie sie Obermann mit Verdi für die neuen Einheiten verhandeln wollte. Bisher wollte die Telekom noch in dieser Woche Briefe an die betroffenen Mitarbeiter verschicken, um sie offiziell über ihre künftigen Konditionen zu informieren. Obermann kündigte jedoch an, damit zu warten, wenn Verdi sich verhandlungsbereit zeige. In der Auseinandersetzung kann die Telekom nach eigenen Angaben auf die Unterstützung ihres größten Aktionärs, des Bundes, zählen. „Wir verspüren keinen Druck vom Bund. Bislang hat er sich nicht in den Tarifkonflikt eingemischt“, sagte der Konzernchef. Der Bund hält rund 32 Prozent der Aktien an der Telekom. lou/hps (HB)