Der Tagesspiegel : Telekom-Streit vor der Entscheidung Verdi könnte wieder verhandeln

Corinna Visser

Berlin - Der Streit zwischen der Deutschen Telekom und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kommt in die entscheidende Phase. Am heutigen Dienstag will die Gewerkschaft entscheiden, ob sie an den Verhandlungstisch zurückkehrt. In der vergangenen Woche hatte der neue Telekom-Personalchef Thomas Sattelberger einen neuen Vorschlag gemacht, wie die 50 000 Mitarbeiter, die die Telekom in neue Service-Gesellschaften ausgliedern will, künftig entlohnt werden sollen. Seiner Idee, die Entlohnung der Mitarbeiter stärker an den Unternehmenserfolg zu koppeln, steht die Gewerkschaft zwar weiterhin ablehnend gegenüber. Entscheidend war aber wohl Sattelbergers Satz: „Wir sind in allen Punkten gesprächsbereit.“

Am Wochenende hatte es bereits informelle Gespräche zwischen dem Unternehmen und Verdi gegeben. Derzeit berät Verdi auch intern über die Details des Vorschlags. Am heutigen Dienstag soll dann die Große Tarifkommission der Gewerkschaft entscheiden, ob man wieder in die Verhandlungen einsteigt.

Unterdessen geht der Streik der Telekom-Mitarbeiter in der fünften Woche mit gleicher Intensität weiter. Nach Angaben der Gewerkschaft befanden sich am Montag 16 000 Mitarbeiter im Ausstand, darunter auch 2500 Beschäftigte in Berlin. „Da sich noch immer bei der Telekom-Auseinandersetzung keine Lösung abzeichnet, bleiben alle von den Umstrukturierungsplänen der Telekom betroffenen Standorte in der Region im Streik“, sagte Mike Döding, Verdi-Fachbereichsleiter in Berlin- und Brandenburg.

Die Telekom will zum 1. Juli 50 000 Mitarbeiter in neue Gesellschaften überleiten, wo sie länger arbeiten und weniger verdienen sollen als bisher. Der Konzern will auf diese Weise seine Kosten um 500 Millionen bis 900 Millionen Euro pro Jahr senken. Die Telekom will ihren Plan auch ohne eine Einigung mit der Gewerkschaft umsetzen. Personalchef Sattelberger hatte bereits angekündigt, dass das Unternehmen in den neuen T-Service-Einheiten Tarifverträge anwenden werde, die es bereits früher mit Verdi für die T-Mobile-Callcenter beziehungsweise für die Beschäftigungsgesellschaft Vivento vereinbart hat.

Der Streik stört den Betriebsablauf bei der Telekom inzwischen ganz erheblich. So gibt es enorme Verzögerungen bei der Bearbeitung neuer Aufträge sowie bei der Beseitigung von Störungen. Corinna Visser